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Grenzen ziehen im beruflichen Kontext.

Jeder hat wahrscheinlich Bereiche, wo es ihm leichter fällt sich klar auszusprechen. Bei mir ist das im beruflichen Bereich. Ich kann da sehr gut sagen, was für mich passt und was nicht. Mir hilft dort der emotionale Abstand zum Kollegen. Sollte es dir allerdings nicht so gehen, dann ist dieser Blog genau richtig für dich.

Was können Grenzüberschreitungen im beruflichen Kontext sein? Auch hier gibt es vermeintliche Kleinigkeiten, wie – die Kollegen Quatschen zu laut, der Kollege überzieht immer wieder bei der Mittagspause, Termine werden nicht eingehalten, Kollegen kommen zu spät zum Meeting usw. Und natürlich auch größere „Grenzüberschreitungen“ – zu viele Überstunden, zu wenig Gehalt, harscher Umgangston, ich brauche ein neues Büro oder die Zusammenarbeit mit XY scheitert aus persönlichen Befindlichkeiten.

Meine erste Empfehlung sind natürlich die typischen Standard Kommunikationsempfehlungen wie – reden, reden, reden. Ich- Botschaften, Problem ansprechen, Wunsch äußern, zuhören und nachfragen, interessiert bleiben, den Standpunkt des anderen verstehen wollen und dabei nicht automatisch verteidigen. Meiner Erfahrung nach ist das bei 90 % der Menschen im beruflichen Kontext erfolgreich, da man wie bereits erwähnt einen emotionalen Abstand zum Gegenüber hat (anders als bei partnerschaftlichen Beziehungen). Wenn man geübt in gewaltfreier  Kommunikation ist, dann erntet man in den seltensten Fällen emotionale Ausbrüche beim anderen. Sollte es aber dazu führen, dass du durch deine „bemühte Art“ nicht ernst genommen wirst, weil du „nur“ redest und keine körperlich nachvollziehbare Grenze deinerseits folgt (ließ dazu bitte den Blog: Warum „versteht oder reagiert“ unser Partner nicht?), dann musst du klarer werden.

Was meine ich damit? Manche Menschen reagieren nicht auf Worte, sie müssen deine Grenze spüren. Das hat die unterschiedlichsten Ursachen und ist meist nicht böse gemeint, von deinem Gegenüber. Er kann deine Grenze einfach nicht ernst nehmen und verstehen.

Wie kannst du beruflich „körperlich“ nachvollziehbare Grenzen ziehen?

Zum einen durch deine Körpersprache – das klingt jetzt logisch, aber viele neigen immer wieder dazu, trotz „Territoriummissbrauch“ immer noch lieb und nett zu lächeln, sanft und leise zu sprechen, sich geduckt zu „präsentieren“. Also, wenn dir etwas nicht schmeckt, dann zeige es mit deiner Stimme und deiner Körpersprache. Dein Gegenüber denkt sonst, dass doch alles in bester Ordnung ist und nimmt dich einfach nicht ernst.

Der nächste Punkt ist – stelle ein Ultimatum!

„Mir ist der Respekt meiner Grenze so wichtig, wenn wir da nicht eine Lösung finden, dann muss ich gehen oder mich leider beruflich von Ihnen trennen.“ Dieses Ultimatum würde ich natürlich erst aussprechen, nachdem eine klare Kommunikation erfolgt ist, auf welche nicht reagiert wurde. Wichtig ist, dass es nicht bei einer leeren Drohung bleibt. Sage ganz klar, bis wann eine Veränderung eingetreten sein muss und wie diese auszusehen hat. Mache einen Termin! Und revidiere diesen Termin nur aus triftigen Gründen. Mache jetzt schon einen Besprechungstermin für den Tag des Ultimatums!

Mir fällt auf, dass es hier oft zwei Phänomene gibt. Die einen, die einfach gehen, ohne die Grenze vorher ausgesprochen zu haben –  das ist schade, denn so nimmt man seiner Firma oder seinem Kooperationspartner die Chance zusammen zu wachsen. Gleichzeitig nimmst auch du dir die Chance zu sehen, was passiert wäre, wenn ein Zusammenwirken sich erfolgreich gedreht hätte. Schließlich hast du ja auch Schweiß und Nerven hier gelassen.

Das zweite Phänomen ist der Mitarbeiter, der bei jeder Stresssituation laut im Büro verkündet, dass er kündigen wird und es nicht tut. Vielleicht wird er auch tatsächlich irgendwann gehen, aber ernst genommen wird er dadurch leider nicht. Im Gegenteil, je öfter er das androht, desto weniger kommt es beim Gegenüber an. Es vermittelt sich eher ein hysterischer und unzurechenbarer Eindruck. Und so willst du garantiert nicht bei deinem Vorgesetzten rüber kommen.

Körperliche Grenzen mit Kollegen können sein, dass man keine „Gefälligkeiten“ mehr macht, falls das vorher der Fall war. Möglich wäre auch einen Mediator dazu zu holen, um die Ernsthaftigkeit der Grenze zu signalisieren. Die dritte Möglichkeit ist, dass man sich gezwungen sieht eine höhere Instanz dazu zu nehmen, da die Kommunikation bisher gescheitert ist. Damit meine ich nicht „Petzen vorm Chef“! Sondern ein gemeinsamer Termin mit allen Beteiligten vor dem Arbeitgeber, um eine Aussprache zu fördern.

Solltest sich dann immer noch nicht an deine Grenze gehalten werden, dann gilt auch hier loslassen. Dann ist das nicht die Arbeitsumgebung, in der du glücklich wirst.

Machen wir ein Beispiel. Nehmen wir an du arbeitest in einem Team aus drei Mitgliedern. Du bemerkst nach einiger Zeit, dass du den Großteil der Arbeit selbst erledigst, dass Termine nicht eingehalten werden, Ausreden herbei gezogen werden oder du deine Kollegen vielleicht sogar als ungeeignet für die Aufgaben einschätzt. Gleichzeitig merkst du aber, dass deinem Chef diese Situation nicht auffällt oder er deine Kollegen aus persönlichen Gründen „deckt“. Eine schwierige Situation. Das erste ist natürlich diese Situation offen anzusprechen und wirklich den Standpunkt des Gegenübers zu verstehen –  nach dem Motto – ich bin ok und du bist ok. Nicht verurteilen! Solltest du damit nicht weiter kommen, dann versuche dir einen Mediator dazu zu holen und dort deine „Schmerzen“ zu erläutern. Ich beobachte oft, dass gerade im beruflichen Kontext sich immer nur an Zahlen, Daten, Fakten gehalten werden. Persönliche Befindlichkeiten aber viel zu kurz kommen. Mag sein, dass deine Kollegen nicht so schnell und so gut ausgebildet sind, wie du, aber letztendlich ärgert dich nicht dieser Fakt, sondern, dass du die meiste Arbeit machen musst und am Abend vollkommen erschöpft bei deinem Partner ankommst. Wenn ihr mit einem Mediator nicht weiter kommt, da er beispielsweise  keine Entscheidungsgewalt hat, dann muss euer Vorgesetzter zum Mediator werden. Es erfordert Mut ein offenes Gespräch zu führen, aber etwas anderes bleibt dir nicht übrig! Und dann sei klar und mache ein Ultimatum. Du benötigst eine Arbeitserleichterung bis Ende des Monats, sonst siehst du dich gezwungen eine andere Arbeit zu suchen.

Warum fiele trotzdem bleiben?

Sehr sehr viele Menschen bleiben in unzumutbaren Situationen stecken, weil sie die Konsequenzen fürchten. Weil gerade keine bessere Alternative zur Hand ist. Weil es ja schon noch geht. Und klar, manchmal ist es finanziell so knapp, die wirtschaftliche Lage so ungewiss  oder andere Vorteile in dieser Situation so attraktiv, dass man nicht gehen möchte. Aber dann mach dir ganz bewusst, dass du gerade einen Kompromiss lebst und niemand dafür verantwortlich ist, außer dir! Mach dir klar, dass du immer eine Wahl hast und dich in voller Verantwortung dafür entschieden hast, diese unbefriedigende Situation „auszuhalten“. Vielleicht hilft dir auch die Frage, was dir im Moment das Wichtigste im Leben ist. Ist es wirklich die Karriere und das Geld oder eher deine Familie und deine Gesundheit? Diese Frage stellt man sich, wenn man im Hamsterrad feststeckt, viel zu selten. Welcher Mensch will ich heute sein? Welches Leben möchte ich führen und sicher gehört dazu auch mal – etwas durchzustehen, aber bedenke, wie hoch der Preis ist, den du zahlen willst!

Manchmal hilft es schon sich bewusst zu machen, dass DU SELBST entschieden hast in dieser Situation zu bleiben. Oftmals fühlt man sich dann vom Gegenüber schon gleich gar nicht mehr so sehr angegriffen, denn man hat ja bewusst gewählt.

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