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Was gehört zur Außenwirkung und wie ich sie verbessern kann!

Ob du dich nun privat oder beruflich mit diesem Thema beschäftigst, letztendlich ist es doch für jeden interessant zu wissen, wie man auf Andere wirkt und wie man diese Wirkung ins beste Licht rücken kann.  

In meinen Kurzpräsentationen sage ich manchmal – „Ich bin Trainerin für Außenwirkung und für die akustische Visitenkarte“. Viele Unternehmen müssen sich mit Fragen im Bereich Marketing auseinandersetzen – welches Logo, welche Farben wollen wir in unserem Branding, wie sollte unser „Büro“ oder unser Geschäft repräsentativ sein oder welche Kleidung sollten unsere Mitarbeiter tragen? Natürlich auch, welche Printmedien wollen wir, wie einsetzen und wie wollen wir uns im Internet präsentieren? 

Meiner Meinung nach sind das aber immer erst die zweiten Schritte. Denn Außenwirkung beginnt bei uns. Wir selbst repräsentieren unser Unternehmen, unsere Abteilung, unsere Idee oder unser Geschäft. Für Soloselbstständige ist das meist einleuchtender, als für große Firmenchefs. Ein berühmter Coaching Spruch ist immer wieder – der Fisch stinkt vom Kopf! Alles, was im Unternehmen schief läuft, kann auf die Führung zurückgeführt werden. Im positiven Sinne bedeutet das aber auch, dass die Führung der Leitstern des Unternehmens ist. So wie der Chef morgens ins Büro kommt, so strahlt es auf das ganze Unternehmen zurück. Also überlege dir als Führungskraft genau, was du aussenden willst, wie du wirken willst, bzw. was du von deinen Mitarbeitern erwartest. Denn lebst du selbst Gewohnheiten vor, die du bei deinen Mitarbeitern niemals dulden würdest, dann wundere dich nicht, wenn euer Firmenschiff in eine ungewünschte Richtung segelt. 

Die persönliche Ausstrahlung und Außenwirkung ist demnach meiner Meinung nach federführend für eine erfolgreiche Unternehmensführend. 

Aber was gehört zu unserer persönlichen Außenwirkung eigentlich konkret dazu? 

Es beginnt tatsächlich bei den „oberflächlichen“ optischen Eindrücken. Unser Ersteindruck wird zu über 50% allein durch die Optik beeinflusst. Welche Farben trägst du, wie riechst du, welche Art Schmuck und Kleidung trägst du, kleidest du dich sehr elegant, sportlich, alternativ, nachhaltig, markenbewusst, luxusorientiert oder nachlässig? Hast du ein allgemein gepflegtes Äußeres? Das heißt, sind deine Haare immer perfekt, die Nägel immer frisch manikürt, die Schuhe immer sauber? 

Überlebenswichtig ist auch deine generelle Körperspannung. Wie gerade läufst du? Kommst du aufrecht, dynamisch und selbstbewusst in den Raum geflogen oder schlenderst du, betont lässig oder wie ein Schluck Wasser in den Empfangsraum? Manche Chefs haben auch eine sehr angespannte oder verspannte Körperhaltung und machen den Eindruck, als würden sie die Last des Universums auf den Schultern tragen. 

Auch dein Gesichtsausdruck ist entscheidend für deine Außenwirkung. Hast du immer ein entspanntes Lächeln auf den Lippen oder zeigt dein Gesicht keine Regung? Schaust du eher verbissen und ernst? 

Es mag für dich vielleicht oberflächlich klingen, aber auch dein Gesundheitszustand und deine körperliche Fitness verraten deinen Lebensstil und wirken auf deinen Gegenüber. Nimmst du dir Zeit für dich und deinen Körper, deine Gesundheit? Oder lässt deine optische Erscheinung darauf schließen, dass du zu wenig schläfst, zu viel rauchst und trinkst und dir zu wenig Erholung gönnst. Eine gesunde Work-Life-Balance ist vielen Menschen immer wichtiger und es ist schon lange nicht mehr „cool“ 80 Stunden die Woche zu arbeiten. Möchtest du beispielsweise eher ein jüngeres, dynamischeres Team aufbauen, dann solltest du dafür sorgen, dass du selbst jung und dynamisch auftrittst, denn wir ziehen immer Menschen an, die uns ähnlich sind. 

Achte beim optischen Eindruck auch auf den richtige Körperabstand, auch wenn du deinen Gegenüber sympathisch findest und vertraut mit ihm bist. Zu Zeiten von Corona passiert einem das nicht mehr, aber früher hatte ich als Frau oft Probleme, dass mir Männer zu nahe kamen. Im Sinne von – mir den Raum genommen haben. Meine Erfahrung ist, dass Männer manchmal den korrekten Körperabstand gerade bei Frauen nicht richtig einschätzen können. Achte auf die Signale.  Rutscht dein Gegenüber immer mehr nach hinten im Raum? Das ist ein Zeichen, dass du zu nahe bist und Abstand halten solltest! 

Kommen wir zu akustischen Merkmalen deiner Außenwirkung 

Deine Stimme ist ein sekundäres Geschlechtsmerkmal und ob wir wollen oder nicht, unser Unterbewusstsein analysiert die Stimme des Gegenübers. Höhere Stimmen klingen jünger, verletzlicher, naiver, femininer, sanfter, netter und unerfahrener. Tiefere Stimmen klingen dominanter, durchsetzungsfähiger, leistungsstärker und souveräner. Je nachdem, wie du auftretenwillst, kannst du mit dieser Wirkung spielen.  

Auch deine Aussprache hinterlässt einen Eindruck. Lässt du dir Zeit beim Sprechen? Sprichst du mit Bedacht, sprichst du zu schnell, zu leise, zu vernuschelt? Je klarer unsere Aussprache, desto souveräner unser Auftritt, desto kompetenter wirken wir. Ein Dialekt kann Nähe aufbauen und gleichzeitig total abschrecken, wenn der andere diesen nicht teilt. Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Sprechen beide den gleichen Dialekt, dann entsteht ein Gefühl von „Dazugehörigkeit – Wiedererkennung im Anderen“. Das Gegenteil passiert, wenn unser Gegenüber den Dialekt nicht teilt. 

Ähms, Wortwiederholungen, Schachtelsätze, Verhaspeln, nicht die richtigen Worte finden 

Eloquenz – Redegewandtheit – so ein vornehmes Wort. Als junge Studentin hörte ich das Wort – eloquent zum ersten Mal und dachte, mein Gott wie hochtrabend ausgedrückt. Und doch bewundern wir Menschen meistens, die so wunderbar mit Worten spielen können, die einen Wortschatz haben, der souverän, abwechslungsreich und mitreißend ist. Immer auf den Punkt ausgedrückt und Sätze, die man ausgesprochen in ein Buch drucken könnte. Wir alle wollen so reden, die wenigstens können es. Du musst keine gestochen klare Ausdrucksweise haben, um eine treffende Außenwirkung zu haben. Fakt ist aber, dass der inflationäre Gebrauch von Ähms und ein Zusammenreimen von zerstocherten Schachtelsätzen sehr unkonzentriert und unprofessionell wirkt. 

Wie du in den Wald hinein rufst, so kommt es wieder heraus. 

Kommen wir mal zu deinen allgemeinen Umgangsformen. Du wünschst dir einen professionellen, höflichen, ehrlichen, authentischen und offenen Umgang? Dann musst du das selbst so vorleben! Sei es nun vor deinen Mitarbeitern oder auch deinen Kunden. 

Ein Kunde sagte mal zu mir – „Anna, mit dir traut man sich keine Preisverhandlung“. Ich fragte zurück, warum das so sei und er meinte: „ Weil du so klar und straight bist- man zweifelt keine Sekunde an deinem Preis“. Das war ein schönes Feedback für mich und ich war dankbar für diese Wirkung, denn innerlich machte ich mir tatsächlich eine Zeit lang ziemlich viele Gedanken um den richtigen Preis. 

Ich habe auch ein anschauliches Negativbeispiel. In einer Firma begegnete mir einmal ein sehr schroffer Chef, der mir permanent Ansagen machte, sehr kurz mit mir sprach und keinerlei Lob und Nettigkeiten mit mir tauschte. Ich war schrecklich frustriert und auch wütend. Bis ich mich mit den Schattengesetzen auseinander setzte und mir klar wurde, dass ich auch oft kurz und schroff sein kann. Dass ich auch manchmal mit gewissen Menschen kurz angebunden bin und gern mal auf die „höflichen Floskeln“ verzichte. Der Chef ist zwar immer noch kurz mit mir, aber ich habe jetzt mehr Verständnis und kann darüber hinweg sehen.  

Eine andere Firma, ein anderer Chef. „Ich wünsche mir, dass meine Mitarbeiter ehrlicher mit mir sind! Sie halten mich aus allem raus, sie klären es hinter meinem Rücken und sind nicht offen.“ Nach ein paar Gesprächen stellte sich heraus, dass der Chef genau das Gleiche macht. Dass er selbst sein Team nicht in seine Visionen und Pläne einweiht, über sie hinweggeht und mit seiner ehrlichen Meinung über die Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter hinter dem Berg hält. „Ich bin doch der Chef, und die anderen die Mitarbeiter!“ Sicher. Aber erwarte von anderen nur, was du selbst erfüllen kannst! 

Außenwirkung ist vielfältig!  

Ihr merkt schon, dieses Thema hat es in sich und kann den ein oder anderen ganz schön erschlagen. Oftmals achten wir auf gewisse Punkte und andere Bereiche fallen einfach durchs Raster und wir wundern uns, warum wir nicht weiter kommen. Wichtig zu wissen ist – deine Firma, deine Mitarbeiter, dein Geschäft aber auch deine Familie, deine Freunde und dein Partner sind dein Spiegel! Du hast das alles in dein Leben gezogen, weil es mit dir entweder in Resonanz gegangen ist, oder du es aufgebaut hast. Das Schöne ist – es liegt an dir das zu verändern. Frage dich also – was will ich erreichen, was wünsche ich mir, was will ich anziehen? Und nimm dir da nicht 10 Punkte auf einmal vor. Überlege dir drei Punkte. Beispielsweise – ich will ein junges, dynamisches, Team, was mitdenkt. Oder – ich will luxuriöse, professionelle und exklusive Kunden. Ich will eine offene, ehrliche und produktive Arbeitsatmosphäre. Und dann überprüfe, ob der äußere Rahmen passt, aber eben auch deine persönliche Ausstrahlung! 

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Warum „versteht oder reagiert“ unser Partner nicht?

Es gibt Situation mit unseren Liebsten und engsten Verwandten, aber auch im beruflichen Kontext, die triggern uns nicht so „heftig“, aber sie nagen an unseren Nerven. Zur Einfachheit beziehe ich mich hier vorwiegend auf die privaten Konflikte.

Wunderbare Beispiele sind: dein Partner hilft dir nicht im Haushalt, sitzt zu viel vor der Playstation, verbringt nur Zeit mit den Freunden, trinkt zu viel, gibt dir keine Aufmerksamkeit mehr, schläft nicht mit dir oder nur sehr unbefriedigend, kümmert sich nicht um die Kinder. Deine Mutter erwartet, dass du dich jeden Tag bei ihr meldest, ruft ständig an, ist harsch mit dir oder übergriffig. Deine Freunde greifen permanent auf deine „Dienstleistung“ zurück und erachten diese als selbstverständlich. Dein Nachbar hört ständig bis 24 Uhr laute Musik und du kannst nicht schlafen. Und so weiter.

Die Erfahrung, die ich in den letzten Jahren machen durfte, ist, dass gute Kommunikation nach Lehrbuch bei manchen Menschen einfach nicht funktioniert. Es klingt so schön – Ich-Botschaften senden, Wünsche äußern, nicht verurteilen, Verständnis zeigen, das Gespräch suchen, dem Anderen sagen, wie wichtig er einem ist, interessiert bleiben, nicht automatisch rechtfertigen. Ehrlich, ich glaube, das hat bei mir immer zu dem Stempel geführt – die Anna muss ich nicht ernst nehmen, vor allem in Bezug auf Männer. Denn ich verstand nicht, dass meine Grenze beim Gegenüber nicht ankam. Manche Menschen reagieren nicht auf Worte. Sie reagieren nicht auf Tränen oder verzweifelte Seufzer á la  „so kann es nicht weiter gehen, ich bin unglücklich“. Bei mir führte es dazu, dass mein Partner mich als wechselhaft, weinerlich und unzufrieden mit dem Leben abstempelte. Und ja, ich war unzufrieden. Aber wechselhaft keines Wegs. Was mir nicht klar war, es gibt einfach Menschen, die sind ganz anders sozialisiert. Sie haben eine ganz andere Familiengeschichte und ein ganz anderes Drehbuch im Kopf, wie zwischenmenschliche Beziehung zu funktionieren hat.  Oft spiegelt sich das in unserem Partner, denn wir ziehen ja Menschen an, von denen wir lernen wollen, die also anders sind als wir.  Für mich bestand immer die Annahme, wenn ich meinem Gegenüber ganz klar sage, dass ich Unglücklich bin und so nicht weiter machen kann, dass er weiß, dass diese Worte irgendwann Konsequenzen haben werden, dass ich mir das noch eine Weile anschaue, aber dann gehe. Aber wir können uns noch so klar ausdrücken, wenn wir keine körperliche Grenze ziehen, bei gewissen Menschen, dann reagieren sie nicht. Sabrina Fox sagte mal zu mir: „Gute Kommunikation ist wie Hundeerziehung“. Er bekommt das Leckerli nicht, wenn er nicht brav ist. Was hatte die Anna zuvor gemacht? In meinem Umgang mit meinem Partner (in meinem Falle, war es der Partner, bei dir können es auch Freunde oder andere Familienmitglieder sein) habe ich nichts an meinem Verhalten geändert. Ich hatte mich ausgesprochen und dann war es für mich raus. Ich ging davon aus, dass der andere mich und den Ernst der Lage verstanden hat und dann war ich wieder die fröhliche, dynamische Anna, denn das ist der Zustand, den ich am meisten in meinem Leben haben möchte. Das heißt also, ich machte weiter brav den ganzen Haushalt allein, kümmerte mich ums Kind, hatte Sex oder war liebevoll und zärtlich.

Das heißt also, wenn jemand auf deine verbale Grenze nicht reagiert, sein Verhalten nicht ändert, vielleicht sogar sagt – „ich liebe dich doch“ und für den Moment liebevoll und einfühlsam, aber er in seinen grundsätzlichen Handlungen stringent ist, dann musst du eine Grenze ziehen, die der andere körperlich versteht. Möglichkeiten wären: Sexentzug, Schlafen auf der Coach, sagen, dass du in 3 Monaten ausziehst, wenn sich nichts ändert. Koche nicht mehr, putze nicht mehr, gib ihm die Kinder, rufe nicht an, kümmere dich nicht mehr automatisch, schlage Arbeitseinsätze (bei Freunden zum Beispiel) aus. Sei auch in der Körpersprache konsequent, kein kuscheln, kein liebkosen, keine Umarmung, kein Lächeln, wenn du eigentlich super enttäuscht bist. Der andere muss es verstehen und vor allem fühlen! Worte kann man nicht fühlen!

Aber was ist, wenn wir uns mit diesen Handlungen selbst beschneiden? Es ist doch so schön zusammen zu kuscheln, Sex zu haben. Er oder sie kann doch eh nicht kochen. Ich will nicht, dass der andere meine Wäsche wäscht. Mit den Kindern ist sie oder er doch überfordert, etc… Tja meine Liebe oder mein Lieber, glaub mir, ich hatte die gleichen Gedanken. Ich schneide mir doch ins eigene Fleisch. Ich stehe das doch nicht durch. Du sollst es auch nicht ewig lang durchstehen. Nimm dir innerlich vor, wie lange diese Grenze stehen soll. Du musst ja auch nicht gleich das volle radikal Programm durchziehen. Oftmals reicht es schon, wenn du mal eine Nacht auf der Coach verbringst. Wichtig ist aber, dass du konsequent bist, sonst wirst du – wie ich lange Zeit – als wechselhaft und launig betitelt und dein Gegenüber glaubt dir nicht mehr.  Ich sage dir, die Menschen, die dich wirklich lieben, die ein ehrliches Interesse an dir und dieser Beziehung, Freundschaft oder Verbindung haben, die werden zu dir kommen und versuchen mit dir die Dinge wieder ins Lot zu bekommen. Wahrscheinlich klappt es nicht immer gleich perfekt, vielleicht musst du auch üben deine Grenzen eher und klarer zu benennen, aber er oder sie wird dran bleiben und etwas ändern. Und wenn nicht, dann hast du nichts verloren. Das klingt hart, aber glaube mir, wenn derjenige sich nach deiner klaren, körperlich wahrnehmbaren Grenze nicht auf dich zubewegt, dann wird er es niemals tun! Und dann ist es Zeit loszulassen.

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Wenn ungeklärte Muster die ideale Kommunikation und das befreite Sprechen verhindern.

Corona. Ein Slowdown, eine Zeit der Innenschau, zumindest für mich. Ich habe mich viel – wie sollte es auch anders sein in meinem Beruf –  mit Kommunikationsfragen beschäftigt, wie ich noch klarer und befreiter sprechen kann, wie ich besser Grenzen ziehen kann und wie ich mit meinen „Arschengeln“ umgehe, wie sie Robert Betz so treffen bezeichnet. Die Menschen, die uns triggern, unseren wunden Punkt treffen und in meinem Falle oft verstummen lassen.

Nun möchte man meinen, dass eine Stimm- und Sprechtrainerin alles gehört und gelernt hat, aber es gibt auch bei mir Situationen, wo Vera Birkenbihl und Schulz von Thun an ihre Grenzen kommen. Zu verstehen, was in diesen Momenten passiert, ist das eine – warum es passiert und wie ich mir da raushelfe, steht auf einem ganz anderen Blatt und hat für mich viel mit Innerer-Kind-Arbeit, familiären Mustern und Konditionierungen, Schattenarbeit, tiefer Innenschau, persönlichen Glaubenssätzen und „wie ich nach Außen wirken wollte“ zu tun. Alles Themen, die in einem Sprechwissenschaftsstudium an der Uni nie behandelt wurden und für die ich niemals Zeit aufgebracht hätte, wenn mich Corona oder die Regierung nicht an mein Sofa gefesselt hätten.

Natürlich hat mich Kommunikation schon immer beschäftigt. Berufsschicksal. Eine spirituelle Frau sagte mir vor einem Jahr mal – interessant, dass du diesen Beruf gewählt hast, du wolltest wohl dein Halschakra öffnen. Für alle, die noch nie von den 7 Hauptchakren im Körper gehört haben, nur so viel – es gibt sie und das Halschakra steht unter anderem für befreite Kommunikation und Stimme. Und ich wusste sofort – das ist wahr. Angefangen bei meiner Familie, wo es immer laut und poltrig zur Sache ging, wo man schnell zum Punkt kommen musste und kaum tiefe Gespräche entstanden, weil einfach niemand die Ruhe dafür hatte. Wo oft harte Worte fielen und „nicht getadelt“ das Lob bedeutete. In der Schule hatte ich Probleme vor der Klasse zu sprechen. Ich war nach Vorträgen fix und fertig und neigte auch zu leichtem Stottern, wenn der Lehrer mich zum Sprechen aufforderte  und ich unsicher war. Interessanterweise war das beim Singen nicht so. Singen war leicht für mich und sich dabei vor Menschen zu präsentieren auch kein Problem. So kam es, dass man mich schon in der fünften Klasse im Chor in die erste Reihe schob, um Soli zu singen. Ich schaffte es durch das Singen meine Sprechhemmungen abzubauen. Später sang ich vor tausenden von Leuten auf einer Ostseebühne und das erforderte schon ein gehöriges Maß an Mut, innerer Aufgeräumtheit und Selbstbewusstsein. Das Singen führte, mit all seinen Höhen und Tiefen, die diese Branche mit sich bringt, dazu, dass mir das Sprechen vor Menschen später wie ein Klacks vorkam. Wenn irgendjemand mal je als Opernsänger unterwegs war, wird er verstehen, was ich meine. Gesang ist eine Punktlandung. Kein Ton revidierbar und das macht das Ganze so herausfordernd. Beim Sprechen kann ich den Satz oder das Wort wiederholen, wenn es nicht passend war. Die Sprechtechnik (Atmung, Haltung, Aussprache) hatte ich mittlerweile tief inhaliert und die richtigen Worte kann man einstudieren. Ein Klacks.

Und doch. Auch bei mir gibt es, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich, die lieben Arschengel, die alle Technik zu Nichte machen, die meinen rationalen Verstand vollkommen ausklicken und die mich in den Überlebensmodus einer Zweijährigen fallen lassen. Bei mir sind das vor allem forsch, laut und zurechtweisend auftretende Menschen. Und sollte das vorher auch mein bester Freund gewesen sein, wenn er diese Mischung wählt, erstarre ich wie das Reh vorm Auto. Mir kommen die Tränen hoch und ich will am liebsten weglaufen oder gefriere ein. Später kommt dann manchmal auch Wut, dass ich zurückschieße, je nachdem in welcher Position ich mit dem anderen stehe. Fakt ist – ich bin nicht ich selbst. Ich kann in diesen Momenten nicht denken. Vielleicht kennst du das. Bei dir muss sich das nicht genauso äußern, vielleicht wirst du eher aggressiv oder bekommst körperliche Symptome, wie Schwitzen, Durchfall, Magenprobleme oder du wirst zum totalen Wunscherfüller für den Anderen. Oder du „verdrückst“ dich blitzschnell und übergehst die Lösung. Wir sind bei unseren „Arschengeln“ in unserer frühkindlichen Prägung hängen geblieben. Frag dich, woher du diese Situation kennst, wann du dich das erste Mal so gefühlt hast. Oftmals sind es Situationen aus unserer Kindheit mit unseren engsten Angehörigen. Wir waren damals so abhängig von diesen Personen, dass wir ein Muster einstudiert haben, um geliebt und versorgt zu werden. Bei mir war es: Wenn dich jemand anschreit, hart mit dir spricht oder dich bevormundet, dann sage nichts und weine! Das funktioniert teilweise noch heute in meiner Familie so. Wenn sie mich lange genug triggern, sodass ich die Fassung verliere und weinen muss, dann bekomme ich wieder Liebe und Verständnis von ihnen. Nun können wir ja nicht jedes Mal in Tränen ausbrechen, wenn unser Chef, Kollege oder Familienangehöriger seine drei mal fünf Minuten hat.

Es müssen auch gar nicht immer extrem verurteilende Situationen sein, auf welche wir stark irrational reagieren. Manchmal triggern uns auch Verhaltensweisen á la jemand ist zu langsam (Autofahrer), jemand ist zu hektisch und zu schnell in allen Abläufen (damit triggere ich oft Menschen :D), jemand hat uns nicht gegrüßt oder schaut uns nicht in die Augen (er ignoriert uns vermeintlich), jemand lässt uns nicht ausreden, jemand ist sehr Meinungsstark und „drängt“ sich in den Vordergrund und so weiter. Fakt ist – wir reagieren über, unverhältnismäßig mit Tränen oder wir implodieren mit Rückzug, Schockstarre und Selbstverurteilung.

Wie schaffen wir es nun aus diesem irrationalen Reaktionsmuster heraus, wenn unser Verstand in diesem Moment nicht helfen kann? Die halbe Miete ist tatsächlich schon, diese Muster zu erkennen. Wahrzunehmen – oh da triggert mich jemand, ich handle nicht mehr rational, ich werde emotional oder ich bekomme körperliche Symptome, die mir deutlich machen, dass da eine Grenze überschritten wurde. Diese Symptome können sein: Tränen steigen auf, unbändige Wut steigt auf, Traurigkeit, Resignation, vermehrtes Schwitzen, lauter oder leiser sprechen als normal, wegschauen, sich wegsehnen (wo ist das Loch im Boden), verstummen, bockig werden, um nur ein paar zu benennen. Also finde heraus, was deine Reaktionen sind. Fange vielleicht mit den stärksten und auffälligsten Situationen an, die kannst du am „leichtesten“ zuordnen.

Und dann gehe in dich, was genau dich gerade triggert. Dieses „in sich gehen“ und sich selbst befragen, war für mich die schwerste und neueste Aufgabe. Wir sind geprägt von unserer rationalen Welt und wollen alles mit dem Verstand klären, aber der kann uns da nicht immer helfen. Jedoch kommen wir an unsere tiefsten Dämonen nur durch Innenschau heran. Und wie mache ich das konkret? Nun da gibt es tatsächlich zahlreiche Möglichkeiten: Meditation, Reise zum Inneren Kind, Schattenarbeit, Glaubenssätze analysieren, die innere Weisheit aktivieren, Selbstliebe, Fasten, vegane Ernährung usw. Das mag jetzt vielleicht ziemlich esoterisch und postmodern für dich klingen und das klang es für mich am Anfang auch, aber je mehr man sich mit diesen Themen beschäftigt, desto aufgeräumter wird man! Believe me! Eva- Maria hat für diesen Prozess mal eine schöne Wortschöpfung gefunden. Wir müssen uns „Be-Eltern“! Um uns selbst kümmern, um unseren tiefsten Schmerz kümmern, wie es ein Elternteil mit einem Kind tun würde. Ich will gar nicht so genau auf die einzelnen Methoden eingehen, denn da gibt es wirklich gute Experten. Ich merke nur, je mehr sich ein Mensch mit diesen Themen auseinandersetzt, desto erfolgreicher ist auch das Stimm- und Sprechtraining. Denn ein aufgeräumter Geist, hat eine aufgeräumte Sprache.

Wenn du nun deinen Triggern und inneren Dämonen auf die Spur gekommen bist – Gratulation! Denn der Effekt ist – du kannst wieder sanft und mitfühlend mit dir sein, du verstehst, dass dein Verhalten mal einen Sinn hatte und dir lange gedient hat, du nun aber erwachsen bist und für dich einstehen kannst.

Der nächste Schritt ist dann die Grenzen zu ziehen. Mir haben dabei vorgefertigte Sätze geholfen, die ich immer wieder verinnerliche und übe. Solche Sätze wie:

Du überschreitest eine Grenze!

So nicht!

Das darf doch nicht wahr sein!

Das ist doch jetzt nicht dein Ernst!

Was soll das?

Das lasse ich nicht zu!

Das geht gar nicht!

Finde da gern einen für deine typischen Triggersituationen passenden Satz. Es muss nicht meiner sein. Wichtig ist, dass du diese Sätze wirklich für dich übst, wenn du dazu neigst nichts zu sagen, runter zu schlucken, zu erstarren. Dieser Satz wird dann in der jeweiligen Situation laut ausgesprochen. Gepaart mit einer klaren, starken Körpersprache, einer souveränen Stimme und einem festen Blick, wird dein Gegenüber inne halten. Und da sind wir wieder beim Stimm- und Sprechtraining. Solltest du Hilfe brauchen, um deiner Stimme die nötige Ernsthaftigkeit zu verleihen, dann weißt du, wo du dich melden kannst 😉 ! Fakt ist aber, ohne deine innere Haltung und dein inneres Standing nützt das beste Körpertraining und die beste Sprechtechnik nichts.

Nach diesem Satz – ich würde ihn ruhig eine kleine Weile stehen lassen – kannst du entweder genauer ausführen, was jetzt die Grenzüberschreitung für dich war oder du schaust, wie dein Gegenüber reagiert. Oftmals reicht der erste Satz schon, um beim Anderen zumindest ein Inne halten zu erzeugen. Er muss sich auch noch gar nicht für sein Verhalten entschuldigen. Es reicht, dass du ihm gezeigt hast, dass er deine Grenze überschritten hat. Er wird in Zukunft „vorsichtiger“ oder achtsamer mit dir sein. Manchmal musst du diese Sätze auch ein paar Mal sagen, damit der andere dein „Territorium“ versteht.

Du kannst auch die Situation zurückspulen, wenn es dir wieder mal passiert sein sollte, dass dich jemand ausgeknockt hat. Überlege dir, wie du in deinen Augen souverän reagiert hättest. Und tue das wirklich oft, damit es sich in deinem Unterbewusstsein einprägt. Dieses unterscheidet nämlich nicht zwischen Wahrheit und Fiktion. Schreibe die Geschichte neu für dich. Übrigens auch eine super Übung um sich eine perfekte Präsentation in der Zukunft oder dein ideales Leben im Allgemeinen zu visualisieren. Also was vorwärts funktioniert, funktioniert auch rückwärts. Toll oder?

Und der letzte Schritt – Anwenden. Es braucht Mut, ich weiß, aber von jetzt an, siehst du deinen Arschengel als Trainingsterrain für deine Weiterentwicklung. Weiche diesen Menschen nicht mehr aus. Sei dein eigener Chairman. Du schaffst das. Wenn du Unterstützung brauchst- here I am!

Diese Strategie funktioniert vor allem in Situationen, wo du aus dem Affekt heraus handelst, wo dich jemand unmittelbar triggert und deine Grenze hart durchbricht.

Wie du mit „sanften“  aber dauerhaften Grenzüberschreitungen umgehst, erfährst du im nächsten Teil!

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Erfolg des Stimmtrainings III

Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil III (III)

Stresspegel:

Ein nicht zu unterschätzender Punkt, nicht nur in der
Stimmbildung, sondern generell in der Persönlichkeitsentwicklung,
ist der Stresspegel. Unter Stress kann man vielleicht kurzfristig
sehr leistungsfähig sein, aber für eine dauerhafte Veränderung und
Festigung der Stimme ist er eher hinderlich. Ich empfehle meinen
Klienten, mit dem Stimmtraining nicht erst zu beginnen, wenn der
Termin der Präsentation unmittelbar bevorsteht. Denn unter
Leistungsdruck fällt man oft in alte Gewohnheiten zurück und hat
schlichtweg nicht die Nerven, Neues auszuprobieren oder sich gar mit
der Stimme auf Experimente einzulassen.

Für das Stimmtraining sollten Sie sich Zeit nehmen, um maximal
davon profitieren zu können.

Auch die Uhrzeit des Unterrichts spielt eine Rolle für den
Lerneffekt. Legen Sie den Termin für Ihr Stimmtraining nicht ans
Ende eines langen Arbeitstages, wenn Sie schon müde sind und den
Kopf voller Dinge haben. Überlegen Sie, wann Ihr persönliches
Leistungshoch am Tag ist. Bei den meisten Menschen liegt diese Zeit
zwischen 9.00 und 12.00 Uhr bzw. zwischen 14.00 und 17.00 Uhr. Betten
Sie Ihren Unterricht in diese Zeit ein, wenn es Ihnen möglich ist.

Kontinuität des Unterrichtes:

Ein letzter Faktor für den Erfolg im Stimmtraining ist die
Kontinuität des Unterrichts. Gerade am Anfang hat man das Gefühl
auf tausend Sachen gleichzeitig achten zu müssen. Aber meine
Erfahrung zeigt, je gründlicher gerade zu Beginn gearbeitet wird,
desto schneller kommt man zu guten Ergebnissen. Ich empfehle
mindestens einmal in der Woche mit dem Stimmbildner zu trainieren und
bestenfalls jeden Tag seine Übungen zu Hause für sich zu
wiederholen.

Sind die Grundlagen gefestigt, kann auch in größeren
Wochenabständen (aller 2 bis 3 Wochen) trainiert werden. Bei meinen
Studenten mache ich oft auch die erfreuliche Beobachtung, dass sich
das Antrainierte über die Semesterpause, welche leider mit fast drei
Monaten sehr lange ist, gefestigt hat. Das Unterbewusstsein hatte
Zeit, die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Und oft kommen die
Studenten mit neuem Schwung und neuen Impulsen in den Unterricht
zurück.

Zum Schluss:

Beim Stimmtraining verhält es sich leider nicht wie bei dem
Zerteilen von Holzscheiten. Zur Erinnerung hier noch einmal
Einsteins Worte: „Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei
dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“ Wir werden in der
Stimmbildung keine handfesten Ergebnisse mit nach Hause tragen. Der
Erfolg liegt auf einer anderen Ebene.

Ich verspreche Ihnen, dass Sie sehr
viele Erfahrungen sammeln werden in Bezug auf Ihren Körper und Ihre
Stimme. Sie werden Veränderungen in Ihrer Persönlichkeit
feststellen. Mit einer stabilen und sicheren Stimme, werden Sie auch
in Ihrer Wirkung, in Ihrer Präsenz und Ihrem Auftreten stabiler und
sicherer. In jedem Falle können Sie selbstbewusster, authentischer
und überzeugender kommunizieren. Sie werden lernen, dass man nicht
nur einen Inhalt präsentiert, sondern auch die ganze Persönlichkeit,
zu welcher der Körper – und vor allem die Stimme – einen großen
Teil beitragen.

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Stimme und Bauch

Stimme und Bauch – Wie gehört das zusammen?

In meiner Unterrichtspraxis stelle ich immer wieder fest, dass
viele Menschen ungern ihren Bauch beobachten lassen oder gar beim
Einatmen „rausstrecken“ wollen. Aber woher kommt das? Warum ist
unser Bauch so eine empfindliche Region an unserem Körper und warum
ist er überhaupt relevant für die Stimme?

Evolutionsbiologisch haben wir uns sehr lange auf vier Beinen
bewegt, bevor wir uns zum aufrechten Gang erhoben haben. Unser Bauch,
mit all seinen lebenswichtigen Organen, war von unserem Rücken in
einer vierbeinigen Position gut geschützt vor Angriffen. Auch Tiere
geben diesen Schutz nicht gern auf. Sie kennen das vielleicht von
Ihrer Katze – sie lässt sich nicht von jedem den Bauch streicheln.
Dazu muss das Tier erst genug Vertrauen aufgebaut haben. Mit dem
aufrechten Gang ging dieser Schutz für den Menschen verloren. Das
Bedürfnis unseren Bauch zu verstecken ist geblieben. Beobachten Sie
einmal einen Menschen, der sich erschreckt. Er krümmt sich leicht
nach vorn, zieht die Schultern hoch und presst die Arme an den
Körper. Keiner würde in diesem Moment seinen verletzbaren Bauch
präsentieren.

Auch der altbekannte Spruch: „Bauch rein, Brust raus!“ hält
sich leider immer noch vehement. In dieser Position soll man
angeblich besonders standhaft und präsent sein. Stellen Sie sich
vor, Sie würden so in einen Ringkampf steigen. Jedes Kind würde Sie
k.o. schlagen, denn in dieser Position fehlt Ihnen in die nötige
Stabilität und Flexibilität, auf Ihr Gegenüber zu reagieren.

So ähnlich verhält es sich beim Sprechen. Die meisten Klienten,
die zu mir kommen, wissen meistens schon, dass eine Hochatmung nicht
von Vorteil für die Stimmgebung ist. Sie sind aber überrascht, wenn
ich Ihnen sage, dass diese falsche Atmung von Ihrer angespannten
Bauchdecke herrührt. Ist diese Muskulatur nämlich angespannt, sind
auch unsere Bauchorgane eingeengt und die Atmung kann nicht tief
genug greifen. Unsere Stimme kann sich also nicht voll entfalten,
weil wir ihr ihren vollen Klangraum vorenthalten. Eine zu flache
Atmung bzw. eine zu starke Brust- oder Schulteratmung sorgt dafür,
dass unser Kehlkopf nach oben rutscht. Dadurch klingt die Stimme eng,
gepresst und klein – dabei ist sie es gar nicht. Unsere Stimme ist
wie eine kleine Stimmgabel. Allein klingt sie so leise, dass sie fast
nicht zu hören ist. Aber stellt man sie auf Holz, auf einen
Resonanzkörper, hört man plötzlich einen Ton. UNSER Resonator ist
unser Körper und zwar nicht nur der Mundraum, der Kopf oder
vielleicht noch die Brust. Nein! Unser ganzer Körper arbeitet bei
der Stimmgebung mit. Und gerade die Körpermitte, die für unsere
Balance und Stabilität zuständig ist, stellt einen entscheidenden
Dreh- und Angelpunkt beim Sprechen dar. Deswegen plädiere ich immer
auch für eine Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur parallel
zum Stimmtraining.

Ein weiterer Effekt einer gesunden Bauchatmung ist die Entspannung
der Schulter- und Nackenmuskulatur. Menschen, die viel am
Schreibtisch sitzen, atmen oft zu flach in die Brust und verharren
oft Stunden in einer sehr angespannten Position, mit einem festen
Bauch. Bewusst in den Bauch zu atmen und die Bauchdecke loszulassen
wird Verspannungen in Ihrem Rücken lösen bzw. im besten Falle
vorbeugen. Die gute Nachricht ist also: Ein stimmförderliches
Körperbewusstsein und das Loslassen der Bauchmuskulatur kann man
durch Übung und Selbstbeobachtung durchaus lernen.

Leider ist das „mit dem Loslassen“ nicht so einfach. Gerade
Frauen fühlen sich beim Thema Bauch unter Druck gesetzt. Das gängige
Schönheitsideal setzt auf einen flachen, eingezogenen Bauch. Seinen
Bauch zu entspannen und somit zu zeigen, erfordert ein bisschen Mut.
Aber wenn wir erkennen, wie viel mehr wir aus unserer Stimme und
damit unserer Wirkung machen können, lohnt es sich, „loszulassen“
und ein bisschen mehr „Bauch zu zeigen“.

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Mit der Stimme führen

Wissen Sie, wie man Hunde dressiert?

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Stimme. Hunde verstehen
nicht den Inhalt unserer Worte. Sie reagieren allein auf den Tonfall
und lernen diesen mit einem bestimmten Verhalten zu verknüpfen.

Nun denken Sie sicher: „Was soll das mit mir zu tun haben? Ich
bin ein Mensch und mein Gegenüber versteht ganz klar den Inhalt
meiner Worte.“

Aber ist das wirklich so?

Forscher der Kommunikationswissenschaft haben schon in den 70er
Jahren festgestellt, dass die Wirkung einer Botschaft zu 55 % durch
die nonverbale Körpersprache, 38 % durch Mimik, sowie Stimmlage und
Augenkontakt und nur zu 7 % durch das gesprochene Wort interpretiert
wird. Man muss dazu sagen, dass in Fachkreisen mittlerweile
Uneinigkeit besteht, inwieweit diese Zahlen tatsächlich zutreffen.
Fakt ist jedoch, dass der reine Inhalt des gesprochenen Wortes nicht
der Hauptträger der Informationsvermittlung ist.

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist also gar nicht so weit
entfernt von der Kommunikation mit dem liebsten Haustier des
Deutschen.

Ein anderes Beispiel zeigt sich in der Kindererziehung. Jedes
Kleinkind hört sofort am Klang der Stimme seiner Mutter, dass es
jetzt besser folgen sollte, denn sonst könnte Ärger drohen. Wer
eine Leitungsposition innehat, wird mir recht geben, dass
Mitarbeiterführung zuweilen auch an Kindererziehung erinnert. Klare
Ansagen zu machen, ohne sein Gegenüber zu harsch anzufahren und
dennoch genau zu signalisieren, dass dieser Ansage Folge zu leisten
ist, kann nicht immer einfach sein. Hier trifft der alt bekannte Satz
zu: „Der Ton macht die Musik“. Eine gute Ausdrucksweise kann uns
Türen und Tore öffnen. Genauso wie ein unbedacht ausgesprochenes
Wort diese verschließen kann. Ein guter „Führungston“ sollte
auf den Punkt gebracht, respektvoll und seriös sein und fachliche
Kompetenz vermitteln. Ihn zu finden erfordert manchmal viel Übung.
Aber genauso, wie ein junger Hundebesitzer lernen kann, seinen Hund
zu führen, können Sie auch lernen, den guten Ton zu treffen.

Überlegen Sie sich, ob Sie mit Ihrer Stimme führen, indem Sie
motivieren und positiv anleiten oder ob Sie mit Ihrer Stimme eher
missverstanden, nicht ernst genommen werden oder gar Menschen
abschrecken, verletzten und kleinmachen.

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Stimmt’s oder Stimmt’s nicht?

Wenn uns jemand fragt: „Stimmt‘s?“, dann impliziert die
Frage in den meisten Fällen: „Hab ich recht? Stimmt das, was ich
gesagt habe?“. Sie fordert quasi eine Bestätigung der Meinung
unseres Gegenübers.

Was wäre aber, wenn wir uns stattdessen einmal fragen: “Stimmt
das, was du gesagt hast, für mich?“. Und überhaupt – „Stimme
ich?“. Bin ich noch mit mir im Einklang? Wie oft stellen wir
uns diese Frage eigentlich und nehmen uns auch Zeit, ihr auf den Grund
zu gehen? Was bedeutet das eigentlich – „stimmig sein“? Stimmig
sein mit den Menschen, die mich umgeben, mit meiner Arbeit, meinem
Körper, meiner Psyche und vor allem meiner inneren Stimme? Es ist
nicht immer einfach, all diese Dinge im Gleichgewicht zu halten. Oft
wackelt unser „gut strukturiertes“ System gehörig. Aber wir
ignorieren die Bauchschmerzen und fahren weiter in unserer Spur. Oder
wir ergeben uns der Situation und denken uns – „Da kann ich eben
jetzt nichts daran ändern.“ Um es salopp zu sagen – wir
funktionieren eben.

Trotzdem merken wir, dass etwas in unserem Leben nicht „stimmig“
ist. Wir sind schlecht gelaunt, ja schlicht nicht gut gestimmt.

Unsere menschliche Stimme vermittelt nicht nur sachliche
Informationen, sondern auch unsere aktuelle Stimmung. Aber nicht nur
das, sie ist vor allem ein Ausdruck unserer Persönlichkeit. Nicht
umsonst leitet sich eben dieses Wort von dem lateinischen Wort
persona ab, was so viel bedeutet wie „durchtönen“. Dieses
Durchtönen bezieht sich auf die antike Schauspielpraxis, in welcher
die Schauspieler Masken trugen, durch welche sie „hindurch
sprachen“, um ihre Stimmen zu verstärken.

Die Stimme ist meist ein erster Indikator für die Unstimmigkeiten
in unserem Leben. Wir alle kennen das Phänomen in Stresssituationen,
wenn wir beispielsweise eine Rede halten müssen und es uns
buchstäblich „die Sprache verschlägt“, oder den Moment, wo wir
so perplex sind, dass wir „kein Wort herausbekommen“. Aber auch
Gefühle wie Trauer und Freunde können allein an der Stimme
abgelesen werden. Sie alle sind sicherlich schon einmal von einem
lieben Freund angerufen worden und haben sofort am Klang seiner
Stimme erkannt, dass etwas Schlimmes passiert sein muss.

Das sind natürlich nur kleine Beispiele. Generell lässt sich
jedoch sagen, dass alle Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens
gemacht haben, unsere Persönlichkeit – und damit unsere Stimme
– geprägt haben.

Viele Menschen denken, dass sie an ihrer Stimme nichts verändern
können und resignieren. Dies muss aber nicht so sein. Die Stimme ist
ein Muskel, welchen man trainieren kann, wie Liegestütze. Sicherlich
sind die Stimmlippen etwas komplexer als Oberarme. Die Stimmfunktion
lässt sich nicht mit einer „Universalübung“ an einem Tag neu
aufbauen. Aber auch jeder gute Fitnesstrainer wird Ihnen die Illusion
nehmen, dass man in einer Woche 10 Kilo abnehmen kann und die neue
Figur ein ganzes Leben halten wird. Dies erfordert ein
kontinuierliches Training. Seine Stimme auszubauen, kennen und lieben
zu lernen, lohnt sich. Denn es ist nicht nur so, dass unsere
Emotionen die Stimme beeinflussen, sondern es funktioniert auch
andersherum. Eine richtig „gestimmte“ Stimme kann den Körper zur
Ruhe bringen und zu mehr Präsenz verhelfen. Damit wird mehr Raum
geschaffen, dem Geist, den Inhalt, den wir äußern wollen,
bestmöglich zur Sprache zu bringen.

Fragen Sie sich doch öfter mal „stimmt’s? – oder – stimmt’s
net?“ bei mir und was kann ich dagegen unternehmen?

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Identifikation und Dialekt

Vor ein paar Wochen habe ich wieder einen neuen Jahrgang in
Zwickau übernommen, dem ich die Stimmbildung näherbringen darf. In der Stadt
mit knapp 100.000 Einwohnern wird ein sehr außergewöhnlicher Studiengang
angeboten, der Studenten aus ganz Deutschland anzieht. Erst seit reichlich zehn
Jahren werden dort Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet. Für mich birgt dieser
Berufszweig ein vollkommen neues Klientel. Ich muss zugeben, dass ich mich
vorher nicht mit Gehörlosen beschäftigt habe, geschweige denn mit
Gebärdensprache.

In den ersten Stunden des Unterrichts bekommen die Studenten
meist von mir ein Expertenfeedback, sodass sie ihren Ist-Zustand einschätzen
können. Für die meisten ist das nicht selten der erste Moment, in dem sie sich
überhaupt mit ihrer Stimme und ihrem Sprechen auseinandersetzen. Aufgrund der
Seltenheit des Studienganges bilden die Studenten einen bunten Strauß aus allen
Regionen Deutschlands inklusive deren Dialekten.

Die Frage nach dem Dialekt wurde mir schon das ein oder
andere Mal in meinem Berufsleben gestellt, aber in Zwickau drängte Sie sich
immer wieder in unsere Auswertung. Ist denn ein Dialekt negativ zu werten? Und
wenn ja, muss ich ihn mir abgewöhnen? Bin ich dann überhaupt noch ich?

Zunächst einmal – ein Dialekt ist überhaupt nicht negativ.
Er ist einfach nur wahrnehmbar. Unsere heutige Standardsprache war früher auch
ein Dialekt, der irgendwann einfach als Standard festgelegt wurde und sich
offiziell durchgesetzt hat.

Fakt ist jedoch, dass ein Dialekt immer eine Wirkung bei
unserem Gegenüber erzeugt, je nachdem welche Erfahrung mit diesem Dialekt
gemacht wurde und wie unsere Gesellschaft diesen Dialekt anerkennt und
bewertet. Im Allgemeinen wirkt beispielsweise der sächsische Dialekt etwas
ungebildet und der bayrische oft niedlich und zünftig. Manchmal kann ein
Dialekt auch so stark sein, dass der Inhalt nicht mehr zu verstehen ist.

Letztendlich sage ich immer zu meinen Studenten, dass ich es
ihnen vollkommen freistelle, ob sie das Standarddeutsch lernen wollen oder
nicht. Ich benutze hier ganz bewusst das Verb lernen und spreche nicht davon,
sich den Dialekt abzugewöhnen, denn dieser kann in der Heimat durchaus wichtig
sein. Er verstärkt das Gemeinschaftsgefühl und weckt Vertrauen bei denjenigen,
die ihn teilen. Ziel ist es also nicht, den Dialekt abzugewöhnen, sondern in
bestimmten Situationen auf eine Hochlautung „umschalten“ zu können. Es ist
schließlich so, dass eine korrekte Standardaussprache unsere positive Wirkung
beim Gegenüber verstärkt. Wir wirken kompetenter, souveräner und sind beruflich
vielfältiger einsetzbar.

Nun zu der letzten Frage. Bin ich dann noch ich, wenn ich
plötzlich Standard spreche?

Da ich selbst ein starker Dialektsprecher war, kann ich
dieses Dilemma gut nachvollziehen. In der ersten Phase des Umlernens fühlt man
sich wie ein Fremder. Man hat sich jahrelang mit seinem Sprechen identifiziert
und jetzt soll man plötzlich sprechen, wie die „feinen Leute“. Noch schlimmer,
als die eigene Irritation, kann die der anderen sein. Plötzlich fragen uns
unsere langjährigen Bekannten und Freunde, warum wir auf einmal so vornehm und
bedacht sprechen und was denn bei uns nicht mehr stimme. Das kann dazu führen,
dass wir uns nicht mehr authentisch fühlen und uns sagen „Das bin nicht ich,
das fühlt sich künstlich und ungewohnt an“. Aber was bedeutet denn das „ich
sein“, das „gewohnt sein“? Wir sind das, was wir jeden Tag gewohnt sind zu tun.
Wir sind eine Kette von Angewohnheiten und da wir sie jeden Tag tun, sind sie
uns vertraut. Wir identifizieren uns damit. Ist es dann nicht so, dass man
einfach ein neues Verhalten in seinen Alltag integrieren und es zur Gewohnheit
machen kann? Wir haben viel mehr Fähigkeiten als wir glauben. Neues in den
Alltag zu integrieren bedeutet lediglich etwas Stress, denn unser Organismus ist
von Natur aus sparsam. Neue Prozesse kosten erst einmal Energie und sind
unbequem. Sie sind uns aber nur so lange unbequem, bis wir sie in unseren Alltag
integriert und uns zu Eigen gemacht haben.

Wenn wir uns erfolgreiche Menschen anschauen, dann können
wir beobachten, dass diese ein Stück weit unnormal – im Sinne von besonders –
sind. Sie haben die Fähigkeit, schnell auf neue Situationen zu reagieren und
die nötigen Prozesse in Gang zu setzen, die es braucht, um weiterzuwachsen.
Vera Birkenbihl sagte sehr treffend: „Wir sind mit einem Potenzial auf die Welt
gekommen, dann gingen wir durch einen Prozess, der sich da nennt Erziehung und
dann hat man uns normal gemacht.“.

Einerseits wollen wir normal sein, wir wollen dazu gehören,
Teil einer Gruppe sein. Denn unnormal heißt auch, anders und fremd zu sein und
das macht uns Angst. Aber um erfolgreich – und ich würde sogar so weit gehen,
zu sagen: um glücklich zu sein, sollten wir den Mut haben, anders zu sein und
Dinge anders zu tun, als es die Meisten tun. Auch wenn das bedeutet, dass unser
Umfeld uns plötzlich als unnormal empfindet und uns darauf stößt, dass wir gar
nicht mehr wir sind. Im besten Fall können wir dann sagen: „Ja stimmt, ich habe
mich verbessert und entwickelt“. Denn, was bedeutet eigentlich Entwicklung? Wir
haben uns ent-wickelt – nämlich uns von unseren Fesseln, Verstrickungen und
Grenzen befreit.

Warum ist dann eine Veränderung – egal welcher Art und auch
wenn sie für uns positiv ist – so unbequem für uns und andere? – weil wir
plötzlich mit Neuem konfrontiert sind und noch keine Strategie gefunden haben
damit umzugehen. Und das stresst uns. Veränderungen sind aber notwendig um zu
wachsen. Denn ohne etwas zu verändern bleiben wir immer nur der, der wir schon
sind. Das widerstrebt unserer Natur. Schließlich will alles in unserer Umwelt
wachsen. Pflanzen werden größer, stärker, robuster. Familien wachsen. Und auch
wenn wir körperlich ausgewachsen sind heißt das nicht, dass wir nicht mental
wachsen können.

Oft gratulieren uns die Menschen zum Geburtstag mit den
Worten „Bleib so wie du bist“. Aber ist das wirklich gut? Heißt das dann nicht,
dass wir stehen bleiben und nächstes Jahr genauso weit gekommen sind wie die
Jahre davor, nämlich nicht voran? Wenn ich solche Wünsche bekomme, dann füge
ich leise für mich hinzu: „Ich hoffe nicht.“ Ich hoffe nämlich, ich weiß
nächstes Jahr mehr und habe mich weiter ent-wickelt.

Ein gewisses Maß an Anstrengung ist immer notwendig um zu
wachsen und stärker zu werden. Auch ein Küken kann nicht ohne Kraftanstrengung
aus seinem Ei schlüpfen und in die nächste Phase seines Lebens übergehen.
Genauso brauchen wir manchmal ein Stück Überwindung, Kraft und Ausdauer, bevor
wir wachsen können.

Also überlegen Sie sich das nächste Mal ganz ehrlich, wenn
in Ihnen die Frage auftaucht „Bin das wirklich ich?“ dass dieses andere,
fremde, neue Ich, was Sie mit ein wenig Mühe sein könnten, besser ist als Ihr
altes Ich. Und vielleicht lohnt sich der Stress, das neue Ich in Ihr Leben zu
integrieren.