Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Was gehört zur Außenwirkung und wie ich sie verbessern kann!

Ob du dich nun privat oder beruflich mit diesem Thema beschäftigst, letztendlich ist es doch für jeden interessant zu wissen, wie man auf Andere wirkt und wie man diese Wirkung ins beste Licht rücken kann.  

In meinen Kurzpräsentationen sage ich manchmal – „Ich bin Trainerin für Außenwirkung und für die akustische Visitenkarte“. Viele Unternehmen müssen sich mit Fragen im Bereich Marketing auseinandersetzen – welches Logo, welche Farben wollen wir in unserem Branding, wie sollte unser „Büro“ oder unser Geschäft repräsentativ sein oder welche Kleidung sollten unsere Mitarbeiter tragen? Natürlich auch, welche Printmedien wollen wir, wie einsetzen und wie wollen wir uns im Internet präsentieren? 

Meiner Meinung nach sind das aber immer erst die zweiten Schritte. Denn Außenwirkung beginnt bei uns. Wir selbst repräsentieren unser Unternehmen, unsere Abteilung, unsere Idee oder unser Geschäft. Für Soloselbstständige ist das meist einleuchtender, als für große Firmenchefs. Ein berühmter Coaching Spruch ist immer wieder – der Fisch stinkt vom Kopf! Alles, was im Unternehmen schief läuft, kann auf die Führung zurückgeführt werden. Im positiven Sinne bedeutet das aber auch, dass die Führung der Leitstern des Unternehmens ist. So wie der Chef morgens ins Büro kommt, so strahlt es auf das ganze Unternehmen zurück. Also überlege dir als Führungskraft genau, was du aussenden willst, wie du wirken willst, bzw. was du von deinen Mitarbeitern erwartest. Denn lebst du selbst Gewohnheiten vor, die du bei deinen Mitarbeitern niemals dulden würdest, dann wundere dich nicht, wenn euer Firmenschiff in eine ungewünschte Richtung segelt. 

Die persönliche Ausstrahlung und Außenwirkung ist demnach meiner Meinung nach federführend für eine erfolgreiche Unternehmensführend. 

Aber was gehört zu unserer persönlichen Außenwirkung eigentlich konkret dazu? 

Es beginnt tatsächlich bei den „oberflächlichen“ optischen Eindrücken. Unser Ersteindruck wird zu über 50% allein durch die Optik beeinflusst. Welche Farben trägst du, wie riechst du, welche Art Schmuck und Kleidung trägst du, kleidest du dich sehr elegant, sportlich, alternativ, nachhaltig, markenbewusst, luxusorientiert oder nachlässig? Hast du ein allgemein gepflegtes Äußeres? Das heißt, sind deine Haare immer perfekt, die Nägel immer frisch manikürt, die Schuhe immer sauber? 

Überlebenswichtig ist auch deine generelle Körperspannung. Wie gerade läufst du? Kommst du aufrecht, dynamisch und selbstbewusst in den Raum geflogen oder schlenderst du, betont lässig oder wie ein Schluck Wasser in den Empfangsraum? Manche Chefs haben auch eine sehr angespannte oder verspannte Körperhaltung und machen den Eindruck, als würden sie die Last des Universums auf den Schultern tragen. 

Auch dein Gesichtsausdruck ist entscheidend für deine Außenwirkung. Hast du immer ein entspanntes Lächeln auf den Lippen oder zeigt dein Gesicht keine Regung? Schaust du eher verbissen und ernst? 

Es mag für dich vielleicht oberflächlich klingen, aber auch dein Gesundheitszustand und deine körperliche Fitness verraten deinen Lebensstil und wirken auf deinen Gegenüber. Nimmst du dir Zeit für dich und deinen Körper, deine Gesundheit? Oder lässt deine optische Erscheinung darauf schließen, dass du zu wenig schläfst, zu viel rauchst und trinkst und dir zu wenig Erholung gönnst. Eine gesunde Work-Life-Balance ist vielen Menschen immer wichtiger und es ist schon lange nicht mehr „cool“ 80 Stunden die Woche zu arbeiten. Möchtest du beispielsweise eher ein jüngeres, dynamischeres Team aufbauen, dann solltest du dafür sorgen, dass du selbst jung und dynamisch auftrittst, denn wir ziehen immer Menschen an, die uns ähnlich sind. 

Achte beim optischen Eindruck auch auf den richtige Körperabstand, auch wenn du deinen Gegenüber sympathisch findest und vertraut mit ihm bist. Zu Zeiten von Corona passiert einem das nicht mehr, aber früher hatte ich als Frau oft Probleme, dass mir Männer zu nahe kamen. Im Sinne von – mir den Raum genommen haben. Meine Erfahrung ist, dass Männer manchmal den korrekten Körperabstand gerade bei Frauen nicht richtig einschätzen können. Achte auf die Signale.  Rutscht dein Gegenüber immer mehr nach hinten im Raum? Das ist ein Zeichen, dass du zu nahe bist und Abstand halten solltest! 

Kommen wir zu akustischen Merkmalen deiner Außenwirkung 

Deine Stimme ist ein sekundäres Geschlechtsmerkmal und ob wir wollen oder nicht, unser Unterbewusstsein analysiert die Stimme des Gegenübers. Höhere Stimmen klingen jünger, verletzlicher, naiver, femininer, sanfter, netter und unerfahrener. Tiefere Stimmen klingen dominanter, durchsetzungsfähiger, leistungsstärker und souveräner. Je nachdem, wie du auftretenwillst, kannst du mit dieser Wirkung spielen.  

Auch deine Aussprache hinterlässt einen Eindruck. Lässt du dir Zeit beim Sprechen? Sprichst du mit Bedacht, sprichst du zu schnell, zu leise, zu vernuschelt? Je klarer unsere Aussprache, desto souveräner unser Auftritt, desto kompetenter wirken wir. Ein Dialekt kann Nähe aufbauen und gleichzeitig total abschrecken, wenn der andere diesen nicht teilt. Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Sprechen beide den gleichen Dialekt, dann entsteht ein Gefühl von „Dazugehörigkeit – Wiedererkennung im Anderen“. Das Gegenteil passiert, wenn unser Gegenüber den Dialekt nicht teilt. 

Ähms, Wortwiederholungen, Schachtelsätze, Verhaspeln, nicht die richtigen Worte finden 

Eloquenz – Redegewandtheit – so ein vornehmes Wort. Als junge Studentin hörte ich das Wort – eloquent zum ersten Mal und dachte, mein Gott wie hochtrabend ausgedrückt. Und doch bewundern wir Menschen meistens, die so wunderbar mit Worten spielen können, die einen Wortschatz haben, der souverän, abwechslungsreich und mitreißend ist. Immer auf den Punkt ausgedrückt und Sätze, die man ausgesprochen in ein Buch drucken könnte. Wir alle wollen so reden, die wenigstens können es. Du musst keine gestochen klare Ausdrucksweise haben, um eine treffende Außenwirkung zu haben. Fakt ist aber, dass der inflationäre Gebrauch von Ähms und ein Zusammenreimen von zerstocherten Schachtelsätzen sehr unkonzentriert und unprofessionell wirkt. 

Wie du in den Wald hinein rufst, so kommt es wieder heraus. 

Kommen wir mal zu deinen allgemeinen Umgangsformen. Du wünschst dir einen professionellen, höflichen, ehrlichen, authentischen und offenen Umgang? Dann musst du das selbst so vorleben! Sei es nun vor deinen Mitarbeitern oder auch deinen Kunden. 

Ein Kunde sagte mal zu mir – „Anna, mit dir traut man sich keine Preisverhandlung“. Ich fragte zurück, warum das so sei und er meinte: „ Weil du so klar und straight bist- man zweifelt keine Sekunde an deinem Preis“. Das war ein schönes Feedback für mich und ich war dankbar für diese Wirkung, denn innerlich machte ich mir tatsächlich eine Zeit lang ziemlich viele Gedanken um den richtigen Preis. 

Ich habe auch ein anschauliches Negativbeispiel. In einer Firma begegnete mir einmal ein sehr schroffer Chef, der mir permanent Ansagen machte, sehr kurz mit mir sprach und keinerlei Lob und Nettigkeiten mit mir tauschte. Ich war schrecklich frustriert und auch wütend. Bis ich mich mit den Schattengesetzen auseinander setzte und mir klar wurde, dass ich auch oft kurz und schroff sein kann. Dass ich auch manchmal mit gewissen Menschen kurz angebunden bin und gern mal auf die „höflichen Floskeln“ verzichte. Der Chef ist zwar immer noch kurz mit mir, aber ich habe jetzt mehr Verständnis und kann darüber hinweg sehen.  

Eine andere Firma, ein anderer Chef. „Ich wünsche mir, dass meine Mitarbeiter ehrlicher mit mir sind! Sie halten mich aus allem raus, sie klären es hinter meinem Rücken und sind nicht offen.“ Nach ein paar Gesprächen stellte sich heraus, dass der Chef genau das Gleiche macht. Dass er selbst sein Team nicht in seine Visionen und Pläne einweiht, über sie hinweggeht und mit seiner ehrlichen Meinung über die Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter hinter dem Berg hält. „Ich bin doch der Chef, und die anderen die Mitarbeiter!“ Sicher. Aber erwarte von anderen nur, was du selbst erfüllen kannst! 

Außenwirkung ist vielfältig!  

Ihr merkt schon, dieses Thema hat es in sich und kann den ein oder anderen ganz schön erschlagen. Oftmals achten wir auf gewisse Punkte und andere Bereiche fallen einfach durchs Raster und wir wundern uns, warum wir nicht weiter kommen. Wichtig zu wissen ist – deine Firma, deine Mitarbeiter, dein Geschäft aber auch deine Familie, deine Freunde und dein Partner sind dein Spiegel! Du hast das alles in dein Leben gezogen, weil es mit dir entweder in Resonanz gegangen ist, oder du es aufgebaut hast. Das Schöne ist – es liegt an dir das zu verändern. Frage dich also – was will ich erreichen, was wünsche ich mir, was will ich anziehen? Und nimm dir da nicht 10 Punkte auf einmal vor. Überlege dir drei Punkte. Beispielsweise – ich will ein junges, dynamisches, Team, was mitdenkt. Oder – ich will luxuriöse, professionelle und exklusive Kunden. Ich will eine offene, ehrliche und produktive Arbeitsatmosphäre. Und dann überprüfe, ob der äußere Rahmen passt, aber eben auch deine persönliche Ausstrahlung! 

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Der Unterschied zwischen Manipulation und klarer Kommunikation

Kommen wir mal zum Thema Manipulation in der Kommunikation. Ich beziehe mich hier wieder mehr auf den privaten Kontext, weil uns das meist schwerer fällt, als mit beruflichem Abstand.

Manipulation – oh ein böses Wort. Ich dachte immer, dem Gegenüber die Pistole auf die Brust zu drücken, wäre erpresserisch. Sätze wie: „Wenn du das und das nicht machst, dann verlasse ich dich.“, klangen zumindest in meinem Ohr eher kontraproduktiv. Außerdem wollen wir ja nicht, dass derjenige sich ändert, weil wir ihn unter Druck gesetzt haben. Zumindest war es damals meine Interpretation von „unter Druck setzen“. Wir wollen, dass der Andere unsere Bedürfnisse respektiert und achtet, weil er uns liebt, uns im Blick hat und von allein erkennt, dass sein Verhalten nicht gut für unsere Beziehung ist.

Ich hatte mal einen Partner, der ständig mit anderen Frauen chattete und dann auch noch prahlerisch verkündete, dass diese sich in ihn verliebt hätten. Verletzend bis zum geht nicht mehr! Aber den Satz „schreib nicht mehr mit anderen Frauen“, hielt ich für erpresserisch und maßregelnd. Ich dachte mir – ich bin doch nicht seine Mutter, die ihm vorschreibt, was er zu tun und zu lassen hat – wie unsexy. Ich wollte, dass er erkennt, dass er mich liebt und zwar ohne Bestätigung von anderen. Ich sagte also, dass mich das sehr traurig macht und verletzt, aber dabei blieb es.  Und sein Flirten mit anderen blieb auch. Ich durfte lernen, dass genau dieses Verhalten Manipulation von mir war. Ich wollte durch meine Art des „Nichts Sagens“ erreichen, dass er selbst erkennt, wie cool und liebenswert ich bin. Und genau das ist Manipulation. Es bedeutet, ich mache etwas (oder gerade nicht), weil ich eine bestimmte Reaktion vom Gegenüber möchte. Hätte ich gesagt „das hört auf, oder ich bin weg“, dann wäre das die ehrlichste Ansage gewesen, die ich hätte geben können. Mein Expartner hätte die Wahl gehabt sich zu entscheiden, wie er weiter vorgeht.

Ich sehe mich noch, wie ich damals darüber brütete: „wenn ich das mache, dann wird er wohlmöglich das machen und wenn ich das mache, dann wird er so und so handeln.“ Super manipulativ. Das was ich als „wie die Mutter maßregeln“ (ich gebe zu damit habe ich ein persönliches Thema) verstand oder wie Erpressung, wäre „nur“ eine klare Ansage von mir gewesen, denn Verlassen habe ich ihn letztendlich doch und das kam für ihn, wie aus heiterem Himmel.

Das war also mein kleiner „Run through“ durch meine Erkenntnisse zum Thema „innere Wahrheit“. Mich interessiert sehr, was du darüber denkst, welche Erfahrungen du dazu gemacht hast, denn auch ich denke, dass man nie ausgelernt hat und ich möchte mich diesbezüglich gern auch weiterentwickeln. Scheib mir gern und wenn du Probleme hast deine klaren Worte mit fester Stimme und starker Körpersprache zu äußern, dann arbeiten wir gern an deiner „Ansprechhaltung“ ;-).

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Grenzen ziehen im beruflichen Kontext.

Jeder hat wahrscheinlich Bereiche, wo es ihm leichter fällt sich klar auszusprechen. Bei mir ist das im beruflichen Bereich. Ich kann da sehr gut sagen, was für mich passt und was nicht. Mir hilft dort der emotionale Abstand zum Kollegen. Sollte es dir allerdings nicht so gehen, dann ist dieser Blog genau richtig für dich.

Was können Grenzüberschreitungen im beruflichen Kontext sein? Auch hier gibt es vermeintliche Kleinigkeiten, wie – die Kollegen Quatschen zu laut, der Kollege überzieht immer wieder bei der Mittagspause, Termine werden nicht eingehalten, Kollegen kommen zu spät zum Meeting usw. Und natürlich auch größere „Grenzüberschreitungen“ – zu viele Überstunden, zu wenig Gehalt, harscher Umgangston, ich brauche ein neues Büro oder die Zusammenarbeit mit XY scheitert aus persönlichen Befindlichkeiten.

Meine erste Empfehlung sind natürlich die typischen Standard Kommunikationsempfehlungen wie – reden, reden, reden. Ich- Botschaften, Problem ansprechen, Wunsch äußern, zuhören und nachfragen, interessiert bleiben, den Standpunkt des anderen verstehen wollen und dabei nicht automatisch verteidigen. Meiner Erfahrung nach ist das bei 90 % der Menschen im beruflichen Kontext erfolgreich, da man wie bereits erwähnt einen emotionalen Abstand zum Gegenüber hat (anders als bei partnerschaftlichen Beziehungen). Wenn man geübt in gewaltfreier  Kommunikation ist, dann erntet man in den seltensten Fällen emotionale Ausbrüche beim anderen. Sollte es aber dazu führen, dass du durch deine „bemühte Art“ nicht ernst genommen wirst, weil du „nur“ redest und keine körperlich nachvollziehbare Grenze deinerseits folgt (ließ dazu bitte den Blog: Warum „versteht oder reagiert“ unser Partner nicht?), dann musst du klarer werden.

Was meine ich damit? Manche Menschen reagieren nicht auf Worte, sie müssen deine Grenze spüren. Das hat die unterschiedlichsten Ursachen und ist meist nicht böse gemeint, von deinem Gegenüber. Er kann deine Grenze einfach nicht ernst nehmen und verstehen.

Wie kannst du beruflich „körperlich“ nachvollziehbare Grenzen ziehen?

Zum einen durch deine Körpersprache – das klingt jetzt logisch, aber viele neigen immer wieder dazu, trotz „Territoriummissbrauch“ immer noch lieb und nett zu lächeln, sanft und leise zu sprechen, sich geduckt zu „präsentieren“. Also, wenn dir etwas nicht schmeckt, dann zeige es mit deiner Stimme und deiner Körpersprache. Dein Gegenüber denkt sonst, dass doch alles in bester Ordnung ist und nimmt dich einfach nicht ernst.

Der nächste Punkt ist – stelle ein Ultimatum!

„Mir ist der Respekt meiner Grenze so wichtig, wenn wir da nicht eine Lösung finden, dann muss ich gehen oder mich leider beruflich von Ihnen trennen.“ Dieses Ultimatum würde ich natürlich erst aussprechen, nachdem eine klare Kommunikation erfolgt ist, auf welche nicht reagiert wurde. Wichtig ist, dass es nicht bei einer leeren Drohung bleibt. Sage ganz klar, bis wann eine Veränderung eingetreten sein muss und wie diese auszusehen hat. Mache einen Termin! Und revidiere diesen Termin nur aus triftigen Gründen. Mache jetzt schon einen Besprechungstermin für den Tag des Ultimatums!

Mir fällt auf, dass es hier oft zwei Phänomene gibt. Die einen, die einfach gehen, ohne die Grenze vorher ausgesprochen zu haben –  das ist schade, denn so nimmt man seiner Firma oder seinem Kooperationspartner die Chance zusammen zu wachsen. Gleichzeitig nimmst auch du dir die Chance zu sehen, was passiert wäre, wenn ein Zusammenwirken sich erfolgreich gedreht hätte. Schließlich hast du ja auch Schweiß und Nerven hier gelassen.

Das zweite Phänomen ist der Mitarbeiter, der bei jeder Stresssituation laut im Büro verkündet, dass er kündigen wird und es nicht tut. Vielleicht wird er auch tatsächlich irgendwann gehen, aber ernst genommen wird er dadurch leider nicht. Im Gegenteil, je öfter er das androht, desto weniger kommt es beim Gegenüber an. Es vermittelt sich eher ein hysterischer und unzurechenbarer Eindruck. Und so willst du garantiert nicht bei deinem Vorgesetzten rüber kommen.

Körperliche Grenzen mit Kollegen können sein, dass man keine „Gefälligkeiten“ mehr macht, falls das vorher der Fall war. Möglich wäre auch einen Mediator dazu zu holen, um die Ernsthaftigkeit der Grenze zu signalisieren. Die dritte Möglichkeit ist, dass man sich gezwungen sieht eine höhere Instanz dazu zu nehmen, da die Kommunikation bisher gescheitert ist. Damit meine ich nicht „Petzen vorm Chef“! Sondern ein gemeinsamer Termin mit allen Beteiligten vor dem Arbeitgeber, um eine Aussprache zu fördern.

Solltest sich dann immer noch nicht an deine Grenze gehalten werden, dann gilt auch hier loslassen. Dann ist das nicht die Arbeitsumgebung, in der du glücklich wirst.

Machen wir ein Beispiel. Nehmen wir an du arbeitest in einem Team aus drei Mitgliedern. Du bemerkst nach einiger Zeit, dass du den Großteil der Arbeit selbst erledigst, dass Termine nicht eingehalten werden, Ausreden herbei gezogen werden oder du deine Kollegen vielleicht sogar als ungeeignet für die Aufgaben einschätzt. Gleichzeitig merkst du aber, dass deinem Chef diese Situation nicht auffällt oder er deine Kollegen aus persönlichen Gründen „deckt“. Eine schwierige Situation. Das erste ist natürlich diese Situation offen anzusprechen und wirklich den Standpunkt des Gegenübers zu verstehen –  nach dem Motto – ich bin ok und du bist ok. Nicht verurteilen! Solltest du damit nicht weiter kommen, dann versuche dir einen Mediator dazu zu holen und dort deine „Schmerzen“ zu erläutern. Ich beobachte oft, dass gerade im beruflichen Kontext sich immer nur an Zahlen, Daten, Fakten gehalten werden. Persönliche Befindlichkeiten aber viel zu kurz kommen. Mag sein, dass deine Kollegen nicht so schnell und so gut ausgebildet sind, wie du, aber letztendlich ärgert dich nicht dieser Fakt, sondern, dass du die meiste Arbeit machen musst und am Abend vollkommen erschöpft bei deinem Partner ankommst. Wenn ihr mit einem Mediator nicht weiter kommt, da er beispielsweise  keine Entscheidungsgewalt hat, dann muss euer Vorgesetzter zum Mediator werden. Es erfordert Mut ein offenes Gespräch zu führen, aber etwas anderes bleibt dir nicht übrig! Und dann sei klar und mache ein Ultimatum. Du benötigst eine Arbeitserleichterung bis Ende des Monats, sonst siehst du dich gezwungen eine andere Arbeit zu suchen.

Warum fiele trotzdem bleiben?

Sehr sehr viele Menschen bleiben in unzumutbaren Situationen stecken, weil sie die Konsequenzen fürchten. Weil gerade keine bessere Alternative zur Hand ist. Weil es ja schon noch geht. Und klar, manchmal ist es finanziell so knapp, die wirtschaftliche Lage so ungewiss  oder andere Vorteile in dieser Situation so attraktiv, dass man nicht gehen möchte. Aber dann mach dir ganz bewusst, dass du gerade einen Kompromiss lebst und niemand dafür verantwortlich ist, außer dir! Mach dir klar, dass du immer eine Wahl hast und dich in voller Verantwortung dafür entschieden hast, diese unbefriedigende Situation „auszuhalten“. Vielleicht hilft dir auch die Frage, was dir im Moment das Wichtigste im Leben ist. Ist es wirklich die Karriere und das Geld oder eher deine Familie und deine Gesundheit? Diese Frage stellt man sich, wenn man im Hamsterrad feststeckt, viel zu selten. Welcher Mensch will ich heute sein? Welches Leben möchte ich führen und sicher gehört dazu auch mal – etwas durchzustehen, aber bedenke, wie hoch der Preis ist, den du zahlen willst!

Manchmal hilft es schon sich bewusst zu machen, dass DU SELBST entschieden hast in dieser Situation zu bleiben. Oftmals fühlt man sich dann vom Gegenüber schon gleich gar nicht mehr so sehr angegriffen, denn man hat ja bewusst gewählt.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Wie mit der Reaktion des Gegenübers umgehen, nachdem wir unsere Grenzen gezogen haben?

Ganz ehrlich – für mich eine persönliche Königsdisziplin, die mich oft total fertig gemacht hat. Ich bin extrem empathisch für die Befindlichkeiten anderer und litt oft schlimmer an meiner selbst gezogenen Grenze als mein Gegenüber, weil ich den Schmerz der anderen körperlich und emotional fühlen kann. Was machen wir, wenn unsere Grenze bedeutet, dass wir dem anderen verdammt weh tun? Die Antwort lautet: Gar nichts! Denn die Reaktion unseres Gegenübers liegt in seiner Verantwortung und seiner Lernaufgabe. Denn oftmals kommen immer zwei Menschen zusammen – einer, der lernen muss Grenzen zu setzen und einer der lernen muss Grenzen zu akzeptieren.

Selbstredend spreche ich hier nicht von respektlosen,  zerstörerischen oder kriminellen Handlungen. Es geht mir eher um Themen, wie – ich möchte, dass wir in getrennten Betten schlafen, ich will mich trennen, ich will alleine in den Urlaub fahren, ich möchte, dass du mich mehr im Haushalt unterstützt, dass ich zwei freie Abende in der Woche habe, dass du klingelst, bevor du ins Haus kommst, dass du respektierst, dass ich gerade müde und kaputt bin und mit dir diese Situation lieber morgen bespreche, wenn ich mehr Energie habe; dass du mich aussprechen lässt usw.

Nach meiner Erfahrung gibt es nun zwei Reaktionen. Die erste, die mir etwas seltener begegnet, aber doch auch vor kommt – mein Gegenüber ist überrascht, findet mich etwas seltsam und sehr sensibel, aber hat kein Problem meine Grenze zu respektieren. Das überrascht mich dann oft selber und ich sage mir – war ja gar nicht so schwer.

Die zweite Reaktion – unser Gegenüber wird emotional. Er weint, schreit, wird aggressiv oder bockig, zieht sich komplett zurück oder verlässt uns sogar. Wichtig für dich ist dann – das darf so sein, es ist ok, dass der andere so reagiert. Versuche nicht zu intervenieren. Lass es so stehen. Denn wir vermeiden ja oft den Mund aufzumachen, weil wir diese emotionalen Eskapaden verhindern wollen. Weil wir nicht wollen, dass der andere so ist. Aber es ist absolut ok – es sei denn es gibt körperliche Gewalt oder grenzwertige Reaktionen, die du nicht akzeptieren kannst, wie Erpressung oder Missbrauch – das ist natürlich eine ganz andere Kategorie. 

Gehen wir mal davon aus unser Gegenüber wird bockig, weint oder wird fahrig. Du akzeptierst diese Reaktion und machst dann aber keine Relativierungen. Du gehst nicht von deiner Grenze weg. Du lässt sie stehen und lässt deinen Gegenüber seine Reaktion alleine bewältigen, denn das ist nicht deine Aufgabe. Er ist selbst verantwortlich für seine Emotionen, denn du hast lediglich (bitte respektvoll) deine Grenze gezogen, damit Verantwortung für dein Leben und Wohlbefinden übernommen und gut für dich gesorgt. Du musst dich jetzt nicht um ihn kümmern, deine Grenze aufweichen, du schreist nicht zurück, du bockst nicht, weil er bockig ist, du bleibst offen, wenn er sachlich mit dir darüber sprechen will und verstehen will, wieso.

Oftmals bedeutet das – gehen zu müssen. Verlasse den Raum, denn sonst wirst du wieder zum Wohltäter. Zu Beginn erinnere ich mich, dass ich oft selbst weinend hinter der Tür stand und die Welt verfluchte, wieso ich Auslöser für diese Reaktion bin. Fakt ist aber – dein Gegenüber hat es in der Hand selbst zu entscheiden, wie er auf Situationen reagiert. Manche haben ein Verhalten von „emotionaler Erpressung“ so verinnerlicht, dass sie jedes Mal, wenn man nur den kleinsten Schritt in die eigene „Freiheit“ nimmt, mit Liebesentzug (emotionaler Erpressung) „bestraft“ wird.

Ein Tipp – versuche dich zunächst an Menschen, die dir nicht ganz so nahe stehen, wo deine Mitgefühlantennen nicht so extrem anschlagen. Und schaue, was passiert.

Erfahrungsgemäß reagieren Menschen, die emotionale Erpressung als Muster konditioniert haben, weiter so, aber es wird nach und nach weniger heftig. Vielleicht ist es irgendwann nur noch ein trauriger Blick, statt einer saftigen Standpauke. Denn sie merken, dass ihr Verhalten nicht zu ihrem gewünschten Ziel führt. Ihr Ziel ist es nämlich, dass du dich bitte um ihre verletzten Gefühle kümmerst – aber wie gesagt –  es ist nicht deine Aufgabe!

Deine Aufgabe ist es bestmöglich für dich zu sorgen, für deine Bedürfnisse einzustehen, dich um deine unverheilten Emotionen zu kümmern und somit anderen nicht mehr aufzubürden, dass sie sich um dich zu kümmern haben. UND natürlich auch mit den Grenzen anderer umzugehen und dich dann um deine emotionale Reaktion zu kümmern.

Veröffentlicht am 2 Kommentare

Warum Storytelling ? II

Oxytocin für eine gute Geschichte

Habt ihr schon mal bemerkt, dass Bilder mit kleinen Kätzchen oder kleinen Babys besonders oft geliked werden und für die meisten Menschen beruhigend und versöhnlich wirken? Das liegt an dem Hormon Oxytocin, was wir ausschütten bei diesen Bildeindrücken. Es bewirkt, dass wir Vertrauen, Mitgefühl, Verbundenheit, Großzügigkeit und Empathie empfinden – wie finden es „einfach“ süß.

Natürlich können wir nur selten kleine Katzen oder Babys in unserer Businessgeschichte ins Spiel bringen, wenn wir nicht gerade für Katzen- oder Babynahrung werben. Aber Empathie ist ein großes Stichwort. Wir müssen es schaffen, den Protagonisten unserer Geschichte transparent werden zu lassen in seinen Handlungen. Unser Publikum wird erst mit unserer Story mitfiebern, wenn die Beweggründe unseres Helden nachvollziehbar werden, wenn seine Ziele und Antreiber klar sind. Schaffen wir es, dass unser Publikum sich in die Lage unseres Protagonisten hineinversetzen kann, dann kann es sogar passieren, dass der Zuhörer schwitzende Hände bekommt und sein Herz schneller schlägt. Er ist voll und ganz involviert und verfolgt gebannt die Lösungssuche des „Helden“. Diese kann dann zum Vorbild für das Kauf- und Handlungsverhalten unseres Publikums werden.

Identifikation mit dem Redner

Ein wunderbarer Effekt von gutem Storytelling ist nicht nur, dass sich das Publikum mit dem „Helden“ der Geschichte identifizieren kann, sondern auch, dass das Publikum Empathie für den Redner aufbaut.

Wir Menschen leben von sozialen Beziehungen. Wenn wir die Geschichte eines Fremden hören, seine Handlungsgründe, seinen Lebensweg und seine Ziele, dann können aus Fremden Freunde werden, einfach, weil wir anfangen unseren Gegenüber zu verstehen. Wir müssen uns dann noch nicht einmal wirklich mit unserem Gegenüber identifizieren.

Ein CEO im Anzug kann es in einer Motivationsrede vor 500 Werksmitarbeitern schaffen, wenn er transparent seine Beweggründe und seine inneren und äußeren Herausforderungen darlegt, Verständnis und Empathie für seine Ziele zu erzeugen.

Die sogenannten Spiegelneuronen schalten unsere unbewussten Hirnaktivitäten gleich, je stärker und je länger eine Geschichte uns festhält. Je eindringlicher wir an eine Story gekoppelt sind, desto mehr Emotionen und Einfühlungsvermögen wird beim Publikum erzeugt und das nicht nur hinsichtlich der Geschichte, sondern auch auf den Erzähler.

Es lohnt sich also an seinen Vortrags- und Präsentationstechniken zu arbeiten!

Gute Geschichten führen zu aktivem Handeln

Ein paar relativierende Aussagen vorweg. Nicht jede Geschichte hat auf jeden Zuhörer den gleichen Effekt. Wir alle haben unterschiedliche Erfahrungen, Erziehung und kulturelle Hintergründe und reagieren auf gewisse Schlüsselwörter mit unterschiedlichen Reizen und Reaktionen. Fakt ist aber, je mehr Cortisol, Oxytocin und Dopamin eine Geschichte bei unserem Gegenüber ausgeschüttet wird, desto eher ist er bereit mehr Geld für ein Produkt oder eine Dienstleistung auszugeben. Aber einfach nur eine Reihe von emotionalen Bildern mit Hundewelpen und krebskranken Patienten abzubilden bewirkt noch keine gute Story. Der Spannungsbogen, die Konflikte und Krisen sind genauso wichtig, wie die empathische Bindung an die Charaktere.

Wenn man sich die Frage stellt, welche Handlung Geschichten bewirken, sollte man sich vielleicht zunächst damit beschäftigen, warum überhaupt Geschichten erzählt wurden. Ein kleiner Exkurs in die Zeit der Höhlenmalerei kann dabei sehr aufschlussreich sein. Unsere Vorfahren haben sich unter anderem dort verewigt, um ihre Erfahrungen festzuhalten. Sie sollen uns warnen, vorbereiten oder auch erinnern. Geschichten sind also wie eine Art Handlungskatalog für Situationen, in die wir einmal geraten könnten und sie dienen als Motivation sich nun auch einmal in solch eine Situation zu begeben. Gute Storys können demnach bewirken, dass wir in die Startlöcher rutschen das mental Erfahrene nun auch einmal selbst auszuprobieren.

Kommen wir zu Fakten

Hormone und Empathie – vielleicht ist das dem einen oder anderen doch etwas zu ungenau. Deswegen hier nun ein Beispiel was sich auf direkte Umsatzzahlen bezieht. In einem Experiment wurden bei Ebay (nachzulesen bei Miriam Rupp – Storytelling für Unternehmer) verschiedene Ramschprodukte verkauft (Eimer, JoJo, Fliese, Panflöte usw.). Der Wert der Kleinstartikel belief sich auf 1,29 US-Dollar. Es wurden professionelle Autoren engagiert, die sich eine erdachte Geschichte zu den Artikeln überlegten und somit den Verkaufswert auf 2700 % steigerten. Man kann sagen, dass die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis den objektiven Wert der fiktiven Geschichte darstellt.

Eine Panflöte aus Plastik hatte beispielsweise einen Einkaufswert von 1 US-Dollar und wurde durch eine Geschichte auf 63,50 US-Dollar erhöht. Hier die gekürzte Fassung:

Ich war Botschafterin in einem kleinen afrikanischen Land. Der Prinz dieses Landes ritt zwei Tage auf einem Kamel, um sie mir zu überreichen. Ich habe keine Ahnung, wo er sie herhatte. Sie lieben dort Plastik. Ach was sage ich. Plastik war dort eine richtige Revolution (Miriam Rupp – Storytelling für Unternehmer).

Wenn dich Handwerkszeug zum Storytelling interessiert, dann setze dich gern mit mir in Kontakt!

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Warum Storytelling ? I

Eine große Herausforderung in unserer Zeit ist es, sich in einem Meer an Reizüberflutung von der Masse abzuheben. Eine Möglichkeit, wie uns das gelingen kann, sind gute Geschichten. Denn Markentreue und Aufmerksamkeit nehmen in der heutigen Gesellschaft rapide ab. Mit emotionalen und gut erzählten Geschichten schaffen wir es nicht nur, uns von der Masse abzuheben, sondern auch unsere Kunden emotional zu binden.

Was wir noch mit Storytelling erreichen können:

  • Wir drücken keine Botschaften auf, sondern ziehen Interesse an.
  • Wir halten unsere Gegenüber länger im Bann, statt nur kurzfristig Aufmerksamkeit zu erzielen.
  • Geschichten bewirken Handeln durch Inspiration, statt Lethargie durch Informationsüberflutung.

Wir brauchen Geschichten

Lasst uns eine kurze Expedition durch das menschliche Gehirn machen. Denn bei der Wirkung von Geschichten auf unser Gehirn müssen wir nicht ausschließlich einem guten Bauchgefühl folgen. Es gibt tatsächlich wissenschaftlich nachweisbare Wirkungsanalysen.

Unser Gehirn ist auf Geschichten gepolt. Wir brauchen sie, um unsere Umwelt zu begreifen, zu erinnern und zu planen. Sie wirken auf unsere Erinnerungen, Handlungen und Einstellungen.

Der Fokus bei der Flut an Information ist mittlerweile die größte Herausforderung für unser Gehirn. Wir nehmen laut Miriam Rupp (Storytelling für Unternehmen) täglich über 10.000 Werbebotschaften auf. Hinzu produzieren wir noch 2000 Tagträume, wenn wir unsere Gedanken schweifen lassen. Wenn wir nun einer Geschichte folgen, dann sinkt die Zahl der Tagträume auf null – wir tauchen in die Geschichte ein und sind auf den Verlauf fokussiert. Wir verfallen in einen hypnotischen Zustand, der uns hilft, die Aufmerksamkeit zu halten. Wir lieben also nicht nur Geschichten, wir brauchen sie sogar.

Wir behalten mehr Informationen, wenn sie in Geschichten verpackt sind.

Im Gegensatz zu aufgelisteten Fakten wecken Geschichten größere Areale unseres Gehirns. Dies ermöglicht uns die blanken Fakten, um ein vielfaches besser zu behalten (22-mal mehr). Zum Beispiel wird bei einer PowerPoint Präsentation mit gelisteten Punkten das Sprachzentrum aktiviert. Wir verstehen die Wörter. Dabei bleibt es aber auch schon. Bei einer Geschichte werden auch die Teile im Gehirn aktiviert, die für das Erleben der Story notwendig sind. Wenn von einem frisch gebackenen Osterkuchen die Rede ist, dann wird der Teil des Gehirns aktiviert, der für Geschmack und Geruch zuständig ist. Selbst der motorische Kortex kann mittels Spiegelneuronen angeregt werden, wenn über eine körperliche Bewegung berichtet wird. Dank Storytelling vollziehen wir das Erzählte nach, als ob wir die beschriebene Geschichte tatsächlich erlebt hätten.

Glücksgefühle wecken mit Storytelling

Was bewegt uns, einen 90-minütigen Film, ein 5-minütiges YouTube Video zu schauen oder gefesselt bei einem Vortrag zuzuhören? Spannung heißt das Stichwort. Das dort erzählte zieht uns in den Bann. Doch was bedeutet das genau? Interessant ist ein Blick auf unsere Hormonausschüttung während des Spannungsbogens einer Geschichte. Entscheidend dabei ist das Stresshormon Cortisol, was vermehrt ausgeschüttet wird, wenn die Geschichte durch Konflikte und Krisen seine Entwicklung nimmt. Unser „Überlebensmodus“ schüttet in diesen Momenten Cortisol aus, um als belastend empfundene Situationen zu bewältigen, in dem wir die Ruhe bewahren und die Konzentration halten.

Der Grund warum wir es lieben emotional aufregende Geschichten zu hören, liegt aber vor allem in der Auflösung des Konflikts. Die „Entspannung“ der Krise lässt uns Dopamin ausschütten und unser Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren. Das Happy End macht uns glücklich und optimistisch.

Damit ist es möglich, eine lange Aufmerksamkeitsspanne aufzubauen, wenn die Geschichte eine mitreißende Handlung und spannende Charaktere vorweisen kann. In Zeiten sinkender Markentreue und mangelnder Fokussierungsmöglichkeiten sind gute Storys ein wichtiges Werkzeug.

Emotionale Bindung mit Storytelling

Neulich wurde ich in meinem Coaching darauf angesprochen, dass es in Zukunft keine Verkäufer mehr geben würde, dass es nicht mehr notwendig wäre sich in den Kunden „einzuspüren“, denn es würde ja jetzt eh alles online verkauft! Weit gefehlt! Denn gerade online können wir das Konzept des Storytellings besonders gut anwenden, da wir unzählige Plattformen in Form von Videos, Kurzpräsentationen, Bildern und Texten nutzen können. Und da gilt es vor allem (!) sich in die Bedürfnisse, Wünsche, Probleme und Gefühle des Kunden einzuspüren. Und im Schritt davor muss man diese erkennen, verstehen und danach redegewandt kommunizieren. Mitreißende Geschichten, Charaktere und gute „Erzähler“ bieten uns eine tolle Möglichkeit den Kunden emotional an uns zu binden. Dabei ist Empathie eine der wichtigsten Sozialkompetenzen für ein Unternehmen. Über Geschichten können wir Vertrauen und Identifikation aufbauen.

Versuche deinen Kunden zu lieben und du kannst gar nicht anders, als dich in seine Welt einzufühlen. Tauche ganz in seine Lebenswirklichkeit ein, sieh dein Unternehmen aus seinen Augen. Du wirst automatisch die richtigen Worte und Lösungen für deinen Lieblingskunden finden.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Storytelling im wissenschaftlichen Vortrag?

Mein neuer Präsentationskurs an der TU-Chemnitz stellt mich vor neue Herausforderungen. Kann man einen wissenschaftlichen Vortrag überhaupt spannend und mitreißend vortragen – funktionieren dann solche Sachen, wie Storytelling, über Emotionen reden oder ein Quiz zum Einstieg überhaupt oder wirkt das eher unseriös?

Genauso Businessmeetings in Unternehmen. In vielen Firmen herrscht eher Zeitdruck und die Orientierung nach Ergebnissen. Besonders unterhaltsam muss es nicht sein – „wir wollen fertig werden!“

Und ich sage, doch! Natürlich muss man abwägen, wie viel „Geschichte“ zur Eröffnung zielführend ist, aber ein starker Einstieg schafft Interesse, Souveränität und Aufmerksamkeit. Ein Promotionsstudent der Mathematik zeigte mir seinen wissenschaftlichen Vortrag vor dem Fachpublikum auf YouTube. „Anna, wie soll ich Formeln in eine Geschichte einbetten?“ Ein guter Start wäre zum Beispiel zu berichten, was der letztendliche Mehrwert dieser Untersuchung ist. Denn anders als wir vielleicht auf den ersten Eindruck vermuten, wurde der Vortrag zwar für ein Fachpublikum erstellt, zu sehen ist er jetzt aber im ganzen Internet – auf YouTube auf Platz eins unter seinem Namen. Wir haben es in der Hand, wie wir uns in den „Medien“ präsentieren!

Mein Tipp: Überlege dir, was du deinem Publikum bieten und wie du dich präsentieren willst! Musst du die generelle Motivation erstmal für dein Thema aufbauen und/oder geht es dir darum, besonders souverän und kompetent zu wirken? Im Falle des Promotionsstudenten ist die Intension klar. Die Motivation eines Fachpublikums ist relativ hoch. Es geht also vorwiegend darum, die eigene Person zu stärken und das Thema kompetent zu vertreten. Eine Einleitung über die Wichtigkeit der Untersuchung zeigt, dass der Redner/ Wissenschaftler das große Ganze überblickt und seine Wertigkeit einschätzen kann. Falle also nicht sofort mit dem Thema ins Haus, sondern hole den Zuhörer aus seiner Gedankenwelt ab!

Ähnlich ist es im Businessalltag, wenn es nicht um den Kunden, sondern um Mitarbeiterpräsentationen geht. Vor allem in der Führungsetage muss die Frage nach der Motivation nicht geklärt werden – manchmal doch, aber das ist dann ein anderes Thema. Es geht vor allem darum, seinen Mann bzw. seine Frau zu stehen. Präsentationen sind nicht immer die Großveranstaltungen, sondern oftmals auch die vielen kleinen Vorträge, die jede Woche stattfinden. Dort können wir wunderbar unseren Präsentationsstil verfeinern.

Mein Tipp: Überlege dir, was der Kernpunkt deiner Präsentation ist und wie du ihn in einer kleinen Anekdote, einem Zitat oder einer rhetorischen Frage auf den Punkt bringen könntest. Es kann sehr erfrischend sein, wenn du dich traust einfach mal anders, als sonst vorzutragen.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Was tun gegen Blackouts?

Eine Möglichkeit gegen Blackouts bei Präsentationen vorzugehen ist die Inszenierung. Soll heißen, dass wir unseren Vortrag wie ein Theaterstück einüben und uns damit ein Sicherheitsnetz bauen. Manche Menschen fragen sich vielleicht, wie Sänger und Schauspieler den vielen Text behalten können. Es liegt daran, dass sie ihr Körpergedächtnis trainieren, indem sie in die Rolle einsteigen und diese dann immer und immer wieder üben. Dabei helfen das Bühnenbild, die Maske und das Kostüm, denn es verstärkt das „in die Rolle einsteigen“. Genau das können wir auch in Präsentationen erreichen.

In die Referentenrolle schlüpfen

Was kann uns helfen in die Rolle des Referenten zu kommen? Die Kleidung natürlich. Zieh dir etwas an, was nicht unbedingt alltäglich für dich ist – mein Tipp, mach dich besonders schick. Auch unsere Körperhaltung kann uns helfen, unseren Auftritt in Szene zu setzten. Schon allein, dass du besonders auf einen guten Stand, die richtige Atmung und Aussprache achtest, kann helfen. Auch der richtige Platz im Raum gibt Sicherheit. Dazu gehört auch sich selbst genug Raum zu nehmen – sich nicht am Stuhl festzukrallen oder die Achseln zusammenzupressen. Nehmt euch den Raum, den ihr braucht.

Einstudierte Vorträge

Die einen lesen ihre Präsentationen ab, die anderen üben sie mit dem Körpergedächtnis. Bei Letzteren trainiert man tatsächlich jeden Satz, jede Pointe, jede Pause. Jedes Wort ist bewusst gesetzt und geübt. Auch die Mimik, die Bewegung im Raum und die Gestik sind für jede Aussage inszeniert.

Authentisch bleiben?

Viele haben Angst, dass sie dann unnatürlich und nicht mehr authentisch wirken, wenn sie ihren Vortrag derart einstudieren. Ich frage dann gern zurück – was bedeutet denn Authentizität? Letztendlich ist es das, was wir täglich tun. Und wenn wir ein neues Verhalten einüben, dann können wir das auch zu „uns“ werden lassen, wenn wir es nur oft genug wiederholen. Außerdem befinden wir uns tagtäglich in unterschiedlichen Rollen – Kinder, Eltern, Freunde, Partner, Kollege, Kunde und eben Redner. Eine einstudierte/r Rede oder Vortrag kann auch sehr unterhaltend und fesselnd auf unseren Zuhörer wirken. Jeder große Speaker „inszeniert“ letztendlich seinen Vortrag, indem er ihn sehr oft übt.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Warum bin ich so aufgeregt beim Präsentieren?

Warum haben wir so einen Bammel vorm Präsentieren? Ganz einfach, weil wir es so selten machen. Zugegeben einen Vortrag vor Leuten zu halten ist nicht ohne – man präsentiert sich in seiner vollen Größe vor mehreren Personen. Es ist eine unnatürliche Situation, in welcher nur einer das Rederecht hat und dafür von vielen Augenpaaren von oben bis unten angeschaut und bewertet wird. Plötzlich beginnt man über die tollsten Sachen nachzudenken. Wie sehen eigentlich meine Haare aus? Ist mein Hosenstall offen? Warum schaut XY in der zweiten Reihe so kritisch? Können die Leute mich überhaupt verstehen? Oh je – mein Satzbau war auch schon mal besser und ups schon das dritte Ähm in einem Satz.

Unsere Gedanken steuern unseren Körper

Meistens ist die Ursache für starkes Lampenfieber tatsächlich unser Mindset. Unsere Gedanken führen unseren Körper und unsere Stimme. Wir konzentrieren uns so sehr auf die vermeidlich kritischen Gedanken unseres Gegenübers, dass wir unsicher werden. Anstatt sich auf den Vortrag und den Inhalt zu konzentrieren, stressen wir uns selbst mit negativen Gedanken, dass unser Körper überfordert ist.

Zu hohe oder falsche Anforderungen an uns selbst

„Ich kann die Nacht vorher gar nicht schlafen“, sagte letztens eine Kundin zu mir. Wenn das Lampenfieber ein solches Maß erreicht, dann überfordern wir uns meist selbst mit falschen Erwartungen. Meiner Meinung nach muss man keine Standardpräsentation halten, in welcher man sich gar nicht wohlfühlt. Präsentieren darf Spaß machen und oftmals fühlen wir uns viel wohler, wenn wir die Gruppe in unsere Präsentation mit eingliedern. Der Frontalunterricht aus alten Schulzeiten hat uns eingetrichtert – wenn einer vorn spricht, dann haben die anderen Sendepause. Das ist aber nicht nur langweilig und wenig einprägsam für den Zuhörer, sondern auch ein hoher Leistungsdruck für denjenigen, der präsentieren muss.

Präsentieren darf Spaß machen!

Mein Tipp ist immer – macht euch einen Spaß aus eurem Vortrag. Baut eure Präsentation so auf, dass ihr so wenig wie möglich selbst machen müsst und so viel wie möglich das Publikum einbindet. Das ist nicht nur abwechslungsreicher und unterhaltsamer für die Zuhörer, sondern auch einfach natürlicher als die allseits bekannte „Frontalbeschallung“.

Stehe zu deinen Schwächen!

Oftmals leiden auch nur Menschen unter Lampenfieber, die einen sehr hohen Anspruch an sich selbst haben. Unbekümmerten Menschen fällt es viel leichter vor der Gruppe zu sprechen – sie stehen zu ihren Fehlern und sind mit sich im Reinen. Meistens machen sie viele kleine „Fehlerchen“, die aber durch die generelle Auftrittspräsenz und das Selbstbewusstsein unmerkbar bleiben. Die Perfektionisten unter uns sind allerdings so streng mit sich, dass sie sich selbst blockieren und dadurch manchmal regelrechte Blackouts bekommen.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Erfolg des Stimmtrainings III

Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil III (III)

Stresspegel:

Ein nicht zu unterschätzender Punkt, nicht nur in der
Stimmbildung, sondern generell in der Persönlichkeitsentwicklung,
ist der Stresspegel. Unter Stress kann man vielleicht kurzfristig
sehr leistungsfähig sein, aber für eine dauerhafte Veränderung und
Festigung der Stimme ist er eher hinderlich. Ich empfehle meinen
Klienten, mit dem Stimmtraining nicht erst zu beginnen, wenn der
Termin der Präsentation unmittelbar bevorsteht. Denn unter
Leistungsdruck fällt man oft in alte Gewohnheiten zurück und hat
schlichtweg nicht die Nerven, Neues auszuprobieren oder sich gar mit
der Stimme auf Experimente einzulassen.

Für das Stimmtraining sollten Sie sich Zeit nehmen, um maximal
davon profitieren zu können.

Auch die Uhrzeit des Unterrichts spielt eine Rolle für den
Lerneffekt. Legen Sie den Termin für Ihr Stimmtraining nicht ans
Ende eines langen Arbeitstages, wenn Sie schon müde sind und den
Kopf voller Dinge haben. Überlegen Sie, wann Ihr persönliches
Leistungshoch am Tag ist. Bei den meisten Menschen liegt diese Zeit
zwischen 9.00 und 12.00 Uhr bzw. zwischen 14.00 und 17.00 Uhr. Betten
Sie Ihren Unterricht in diese Zeit ein, wenn es Ihnen möglich ist.

Kontinuität des Unterrichtes:

Ein letzter Faktor für den Erfolg im Stimmtraining ist die
Kontinuität des Unterrichts. Gerade am Anfang hat man das Gefühl
auf tausend Sachen gleichzeitig achten zu müssen. Aber meine
Erfahrung zeigt, je gründlicher gerade zu Beginn gearbeitet wird,
desto schneller kommt man zu guten Ergebnissen. Ich empfehle
mindestens einmal in der Woche mit dem Stimmbildner zu trainieren und
bestenfalls jeden Tag seine Übungen zu Hause für sich zu
wiederholen.

Sind die Grundlagen gefestigt, kann auch in größeren
Wochenabständen (aller 2 bis 3 Wochen) trainiert werden. Bei meinen
Studenten mache ich oft auch die erfreuliche Beobachtung, dass sich
das Antrainierte über die Semesterpause, welche leider mit fast drei
Monaten sehr lange ist, gefestigt hat. Das Unterbewusstsein hatte
Zeit, die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Und oft kommen die
Studenten mit neuem Schwung und neuen Impulsen in den Unterricht
zurück.

Zum Schluss:

Beim Stimmtraining verhält es sich leider nicht wie bei dem
Zerteilen von Holzscheiten. Zur Erinnerung hier noch einmal
Einsteins Worte: „Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei
dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“ Wir werden in der
Stimmbildung keine handfesten Ergebnisse mit nach Hause tragen. Der
Erfolg liegt auf einer anderen Ebene.

Ich verspreche Ihnen, dass Sie sehr
viele Erfahrungen sammeln werden in Bezug auf Ihren Körper und Ihre
Stimme. Sie werden Veränderungen in Ihrer Persönlichkeit
feststellen. Mit einer stabilen und sicheren Stimme, werden Sie auch
in Ihrer Wirkung, in Ihrer Präsenz und Ihrem Auftreten stabiler und
sicherer. In jedem Falle können Sie selbstbewusster, authentischer
und überzeugender kommunizieren. Sie werden lernen, dass man nicht
nur einen Inhalt präsentiert, sondern auch die ganze Persönlichkeit,
zu welcher der Körper – und vor allem die Stimme – einen großen
Teil beitragen.