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Erfolg des Stimmtrainings II

Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil II (III)

Eigenes Üben:

Jeder weiß: Ohne Fleiß kein Preis! Das ist natürlich auch im
Stimmtraining so. Für Ihr eigenes Vorankommen macht es einen
erheblichen Unterschied, ob Sie nur im Unterricht konzentriert üben
oder sich auch zu Hause Zeit für Ihre Stimme nehmen. Viele Elemente
im Stimmtraining sind ein reines Muskeltraining und somit eine
Fleißarbeit. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass die Lippen
oder die Zunge auch Muskeln sind, die man trainieren kann, wie die
Bauchmuskulatur. Dieser Punkt hat einen großen Vorteil, denn anders
als Musikalität oder eine schnelle Auffassungsgabe, die einem zum
Teil angeboren ist, hat man den eigenen Fleiß konkret in der Hand.

Ziele:

Wichtig für den Erfolg des Stimmtrainings sind natürlich auch die gesteckten Ziele. Auch die Dauer der
Ausbildung hängt davon maßgeblich ab. Wollen Sie „nur“ Ihren
Dialekt verbessern oder Ihrer Stimme mehr Wohlklang und Tiefe
verleihen oder soll auch die Stimmkraft geschult werden? Ich habe oft
Klienten, die mit dem Ziel zu mir kommen, laut vor einem großen
Publikum zu sprechen. Oft ist die Stimme aber so versteckt, dass der
erste Schritt sein muss, die Stimme auf ein normales Maß der
Unterhaltungslautstärke zu bekommen. Erst wenn dieser Standpunkt
gefestigt ist, kann auch an der tatsächlichen Stimmkraft gearbeitet
werden, welche benötigt wird, um einen großen Raum zu füllen oder
sich über einen Geräuschpegel hinwegsetzen zu können.

Meiner Meinung nach ist die Behebung eines Dialektes auch eine
überwiegende Fleißarbeit. Wer die gelernten Artikulations- und
Geläufigkeitsübungen regelmäßig übt, kann innerhalb kürzester
Zeit große Erfolge feststellen. Die Arbeit am Stimmklang erfordert
im besonderen Maße eine hohe Sensibilität und ein gutes Gehör.
Neben den Resonanz- und Klangübungen, die im Unterricht erlernt
werden, erscheint es mir fast die schwierigere Aufgabe, seine eigene
Feinfühligkeit für seinen Körper und seinen eigenen Stimmklang zu
schulen. Je nach eigener Sensibilität kann dieser Prozess mehrere
Wochen aber auch Monate dauern.

Eine gesunde Rufstimme, auch Kraftstimme genannt, ist für mich
das „i-Tüpfelchen“ in der Stimmarbeit. Ist eine Stimme gefestigt
und gut ausgebildet, ist der Übergang meist fließend in eine
gesunde Kraftstimme. Im besten Falle ist die Stimme beim Rufen frei,
unangestrengt und mit einer guten ganzkörperlichen Beteiligung. Eine
generell selbstbewusste Grundeinstellung und körperliche Fitness
sind hierbei förderlich.

Soll zusätzlich auch an Präsentationen, Bühnen- oder
Mediensprechen gearbeitet werden, erfordert dies noch einmal einen
größeren Mehraufwand im Stimmtraining. Voraussetzung ist jedoch in
allen drei Bereichen eine gefestigte Stimme, die bereits in das
alltägliche Sprechen integriert ist.

Lehrer – Schülerverhältnis:

Die Arbeit an der Persönlichkeit erscheint mir die größte
Herausforderung im Hinblick auf die Stimme. Denn der schwierigste
Schritt ist, sich mit dem neuen Klang zu identifizieren. Es erfordert
Mut, alte Muster loszulassen und sich für die „neue Stimme“ zu
öffnen. Ich gebe zu, dass manche Stimmübungen auch ein Stück
Überwindung kosten. Ein befreiter Klang, hat immer etwas mit
„enthemmen“ zu tun – Blockaden, die uns hemmen loszulassen. Schon
ein befreites Gähnen oder Seufzen ist in unserer Gesellschaft
unschicklich, obwohl es eigentlich ein natürlicher Körperimpuls
ist. Wunderbar kann man das an Kindern sehen. Sie gähnen einfach,
wenn ihnen danach ist. Ohnehin können Kleinkinder, die gerade das
Sprechen lernen, ein Vorbild für uns sein. Sie experimentieren
fröhlich mit ihrer Stimme, plappern vor sich hin und wiederholen
teilweise so lange Lautverbindungen, bis diese verinnerlicht sind.
Dieses Ausprobieren der Stimme soll Teil der Stimmarbeit sein. Dies
erfordert natürlich ein hohes Maß an Vertrauen zum Stimmtrainer.
Vielleicht kennen Sie das auch aus der Schule: Der Schulerfolg war
eng damit verbunden, ob man den Lehrer mochte oder nicht – wo die
Chemie gestimmt hat. Suchen Sie sich deshalb einen Trainer, dem Sie
vertrauen und vor allem, wo Sie sich trauen können.

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Erfolg des Stimmtraining

Wovon hängt der Erfolg des Stimmtrainings ab? Teil I (III)

Albert Einstein hat einmal gesagt: „Holzhacken ist deshalb so
beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“

Im Stimmtraining ist es leider, wie im Sportbereich. Nach den
ersten Besuchen im Fitnessstudio werden Sie sicher gehörig
Muskelkater mit nach Hause nehmen, aber noch keine augenscheinlichen
Ergebnisse sehen. Nur mit kontinuierlichen Wiederholungen und viel
Disziplin werden Sie auch das entsprechende Ergebnis auf der Waage
sehen. So ähnlich verhält es sich mit der Stimme. Sicherlich wird
man sehr schnell – oft sogar in der ersten Unterrichtsstunde –
spüren, dass aus der eigenen Stimme mehr herauszuholen ist, als man
bisher vermutet hat. Dieses Ergebnis jedoch in das alltägliche
Sprechen zu übertragen, ist ein längerer Prozess. Ich vergleiche
das gern mit Autofahren lernen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an
Ihre erste Praxisstunde im Auto. Augen, Ohren, Hände und Füße
müssen gleichzeitig auf verschiedene Faktoren achten und zunächst
sind wir davon komplett überfordert. Aber nach und nach bekommen wir
eine Routine in den Abläufen und heute ist es das Normalste auf der
Welt sich in sein Auto zu setzen und einfach loszufahren.

Um an den Punkt zu kommen, die Stimme „einfach loszufahren“
braucht es viel Übung. Nicht umsonst absolvieren Schauspieler und
professionelle Sprecher eine mehrjährige Stimmausbildung. Nun will
nicht jeder professioneller Sprecher werden. Aber auch für kleinere
Veränderungen bedarf es Übung.

Nach meiner Erfahrung hängt der Erfolg im Stimmtraining von
folgenden Faktoren ab.

Musikalische Kenntnisse:

Eine wichtige Rolle für den Stimmunterricht spielen Ihre
Ausgangsvoraussetzungen, mit welchen Sie in den Unterricht kommen.
Günstig sind zum Beispiel musikalische Kenntnisse. Menschen, die
bereits ein Instrument spielen oder gespielt haben, sind meistens
sehr sensibel für Klangvorstellungen und haben ein aufmerksames
Gehör. Ideal wäre natürlich, wenn Sie in einem Chor singen oder
gar Gesangsunterricht nehmen. Denn Singen und Sprechen ähneln sich
sehr in ihren Grundpfeilern. So ist es einem Chorsänger nicht neu
auf Bauchatmung und eine gesunde Körperaufrichtung zu achten.

Allgemeine Körperkonstitution:

Auch Sport unterstützt die Arbeit an der Stimme. Die Stimmarbeit
ist im Wesentlichen auch eine Körperarbeit. Je wohler Sie sich in
Ihrem Körper fühlen und je gezielter Sie einzelne Körperpartien
anspannen bzw. entspannen können, desto effektiver greifen auch die
Stimmübungen. Im Umkehrschluss heißt das natürlich, je verspannter
wir sind und je blockierter einzelne Muskelgruppen sind, desto
schwieriger ist es, Ihren Resonanzkörper, der tatsächlich Ihren
ganzen Körper ausmacht, in vollem Maße einzusetzen. Hierbei spielen
vor allem die unmittelbaren Muskelgruppen im Hals-, Nacken- und
Schulterbereich eine Rolle, aber auch ein angespannter Bauch, eine
unflexible Hüfte, ja sogar eine Fußfehlstellung beeinflussen unser
komplettes Muskelsystem und somit auch unsere Stimme.

Sensibilität für den eigenen Körper:

Der erste Schritt für eine Veränderung ist die Wahrnehmung des
„Problems“. Nur was wir wahrnehmen, können wir auch verändern.
Deswegen ist eines der Hauptaufgaben des Stimmtrainings diese
Sensibilisierung für den Körper und die Stimme zu schärfen. Ein
gutes Gehör und eine schnelle Auffassung sind für die Verbesserung
der Stimme sehr förderlich.

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Mit der Stimme führen

Wissen Sie, wie man Hunde dressiert?

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Stimme. Hunde verstehen
nicht den Inhalt unserer Worte. Sie reagieren allein auf den Tonfall
und lernen diesen mit einem bestimmten Verhalten zu verknüpfen.

Nun denken Sie sicher: „Was soll das mit mir zu tun haben? Ich
bin ein Mensch und mein Gegenüber versteht ganz klar den Inhalt
meiner Worte.“

Aber ist das wirklich so?

Forscher der Kommunikationswissenschaft haben schon in den 70er
Jahren festgestellt, dass die Wirkung einer Botschaft zu 55 % durch
die nonverbale Körpersprache, 38 % durch Mimik, sowie Stimmlage und
Augenkontakt und nur zu 7 % durch das gesprochene Wort interpretiert
wird. Man muss dazu sagen, dass in Fachkreisen mittlerweile
Uneinigkeit besteht, inwieweit diese Zahlen tatsächlich zutreffen.
Fakt ist jedoch, dass der reine Inhalt des gesprochenen Wortes nicht
der Hauptträger der Informationsvermittlung ist.

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist also gar nicht so weit
entfernt von der Kommunikation mit dem liebsten Haustier des
Deutschen.

Ein anderes Beispiel zeigt sich in der Kindererziehung. Jedes
Kleinkind hört sofort am Klang der Stimme seiner Mutter, dass es
jetzt besser folgen sollte, denn sonst könnte Ärger drohen. Wer
eine Leitungsposition innehat, wird mir recht geben, dass
Mitarbeiterführung zuweilen auch an Kindererziehung erinnert. Klare
Ansagen zu machen, ohne sein Gegenüber zu harsch anzufahren und
dennoch genau zu signalisieren, dass dieser Ansage Folge zu leisten
ist, kann nicht immer einfach sein. Hier trifft der alt bekannte Satz
zu: „Der Ton macht die Musik“. Eine gute Ausdrucksweise kann uns
Türen und Tore öffnen. Genauso wie ein unbedacht ausgesprochenes
Wort diese verschließen kann. Ein guter „Führungston“ sollte
auf den Punkt gebracht, respektvoll und seriös sein und fachliche
Kompetenz vermitteln. Ihn zu finden erfordert manchmal viel Übung.
Aber genauso, wie ein junger Hundebesitzer lernen kann, seinen Hund
zu führen, können Sie auch lernen, den guten Ton zu treffen.

Überlegen Sie sich, ob Sie mit Ihrer Stimme führen, indem Sie
motivieren und positiv anleiten oder ob Sie mit Ihrer Stimme eher
missverstanden, nicht ernst genommen werden oder gar Menschen
abschrecken, verletzten und kleinmachen.

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Stimmt’s oder Stimmt’s nicht?

Wenn uns jemand fragt: „Stimmt‘s?“, dann impliziert die
Frage in den meisten Fällen: „Hab ich recht? Stimmt das, was ich
gesagt habe?“. Sie fordert quasi eine Bestätigung der Meinung
unseres Gegenübers.

Was wäre aber, wenn wir uns stattdessen einmal fragen: “Stimmt
das, was du gesagt hast, für mich?“. Und überhaupt – „Stimme
ich?“. Bin ich noch mit mir im Einklang? Wie oft stellen wir
uns diese Frage eigentlich und nehmen uns auch Zeit, ihr auf den Grund
zu gehen? Was bedeutet das eigentlich – „stimmig sein“? Stimmig
sein mit den Menschen, die mich umgeben, mit meiner Arbeit, meinem
Körper, meiner Psyche und vor allem meiner inneren Stimme? Es ist
nicht immer einfach, all diese Dinge im Gleichgewicht zu halten. Oft
wackelt unser „gut strukturiertes“ System gehörig. Aber wir
ignorieren die Bauchschmerzen und fahren weiter in unserer Spur. Oder
wir ergeben uns der Situation und denken uns – „Da kann ich eben
jetzt nichts daran ändern.“ Um es salopp zu sagen – wir
funktionieren eben.

Trotzdem merken wir, dass etwas in unserem Leben nicht „stimmig“
ist. Wir sind schlecht gelaunt, ja schlicht nicht gut gestimmt.

Unsere menschliche Stimme vermittelt nicht nur sachliche
Informationen, sondern auch unsere aktuelle Stimmung. Aber nicht nur
das, sie ist vor allem ein Ausdruck unserer Persönlichkeit. Nicht
umsonst leitet sich eben dieses Wort von dem lateinischen Wort
persona ab, was so viel bedeutet wie „durchtönen“. Dieses
Durchtönen bezieht sich auf die antike Schauspielpraxis, in welcher
die Schauspieler Masken trugen, durch welche sie „hindurch
sprachen“, um ihre Stimmen zu verstärken.

Die Stimme ist meist ein erster Indikator für die Unstimmigkeiten
in unserem Leben. Wir alle kennen das Phänomen in Stresssituationen,
wenn wir beispielsweise eine Rede halten müssen und es uns
buchstäblich „die Sprache verschlägt“, oder den Moment, wo wir
so perplex sind, dass wir „kein Wort herausbekommen“. Aber auch
Gefühle wie Trauer und Freunde können allein an der Stimme
abgelesen werden. Sie alle sind sicherlich schon einmal von einem
lieben Freund angerufen worden und haben sofort am Klang seiner
Stimme erkannt, dass etwas Schlimmes passiert sein muss.

Das sind natürlich nur kleine Beispiele. Generell lässt sich
jedoch sagen, dass alle Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens
gemacht haben, unsere Persönlichkeit – und damit unsere Stimme
– geprägt haben.

Viele Menschen denken, dass sie an ihrer Stimme nichts verändern
können und resignieren. Dies muss aber nicht so sein. Die Stimme ist
ein Muskel, welchen man trainieren kann, wie Liegestütze. Sicherlich
sind die Stimmlippen etwas komplexer als Oberarme. Die Stimmfunktion
lässt sich nicht mit einer „Universalübung“ an einem Tag neu
aufbauen. Aber auch jeder gute Fitnesstrainer wird Ihnen die Illusion
nehmen, dass man in einer Woche 10 Kilo abnehmen kann und die neue
Figur ein ganzes Leben halten wird. Dies erfordert ein
kontinuierliches Training. Seine Stimme auszubauen, kennen und lieben
zu lernen, lohnt sich. Denn es ist nicht nur so, dass unsere
Emotionen die Stimme beeinflussen, sondern es funktioniert auch
andersherum. Eine richtig „gestimmte“ Stimme kann den Körper zur
Ruhe bringen und zu mehr Präsenz verhelfen. Damit wird mehr Raum
geschaffen, dem Geist, den Inhalt, den wir äußern wollen,
bestmöglich zur Sprache zu bringen.

Fragen Sie sich doch öfter mal „stimmt’s? – oder – stimmt’s
net?“ bei mir und was kann ich dagegen unternehmen?

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Identifikation und Dialekt

Vor ein paar Wochen habe ich wieder einen neuen Jahrgang in
Zwickau übernommen, dem ich die Stimmbildung näherbringen darf. In der Stadt
mit knapp 100.000 Einwohnern wird ein sehr außergewöhnlicher Studiengang
angeboten, der Studenten aus ganz Deutschland anzieht. Erst seit reichlich zehn
Jahren werden dort Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet. Für mich birgt dieser
Berufszweig ein vollkommen neues Klientel. Ich muss zugeben, dass ich mich
vorher nicht mit Gehörlosen beschäftigt habe, geschweige denn mit
Gebärdensprache.

In den ersten Stunden des Unterrichts bekommen die Studenten
meist von mir ein Expertenfeedback, sodass sie ihren Ist-Zustand einschätzen
können. Für die meisten ist das nicht selten der erste Moment, in dem sie sich
überhaupt mit ihrer Stimme und ihrem Sprechen auseinandersetzen. Aufgrund der
Seltenheit des Studienganges bilden die Studenten einen bunten Strauß aus allen
Regionen Deutschlands inklusive deren Dialekten.

Die Frage nach dem Dialekt wurde mir schon das ein oder
andere Mal in meinem Berufsleben gestellt, aber in Zwickau drängte Sie sich
immer wieder in unsere Auswertung. Ist denn ein Dialekt negativ zu werten? Und
wenn ja, muss ich ihn mir abgewöhnen? Bin ich dann überhaupt noch ich?

Zunächst einmal – ein Dialekt ist überhaupt nicht negativ.
Er ist einfach nur wahrnehmbar. Unsere heutige Standardsprache war früher auch
ein Dialekt, der irgendwann einfach als Standard festgelegt wurde und sich
offiziell durchgesetzt hat.

Fakt ist jedoch, dass ein Dialekt immer eine Wirkung bei
unserem Gegenüber erzeugt, je nachdem welche Erfahrung mit diesem Dialekt
gemacht wurde und wie unsere Gesellschaft diesen Dialekt anerkennt und
bewertet. Im Allgemeinen wirkt beispielsweise der sächsische Dialekt etwas
ungebildet und der bayrische oft niedlich und zünftig. Manchmal kann ein
Dialekt auch so stark sein, dass der Inhalt nicht mehr zu verstehen ist.

Letztendlich sage ich immer zu meinen Studenten, dass ich es
ihnen vollkommen freistelle, ob sie das Standarddeutsch lernen wollen oder
nicht. Ich benutze hier ganz bewusst das Verb lernen und spreche nicht davon,
sich den Dialekt abzugewöhnen, denn dieser kann in der Heimat durchaus wichtig
sein. Er verstärkt das Gemeinschaftsgefühl und weckt Vertrauen bei denjenigen,
die ihn teilen. Ziel ist es also nicht, den Dialekt abzugewöhnen, sondern in
bestimmten Situationen auf eine Hochlautung „umschalten“ zu können. Es ist
schließlich so, dass eine korrekte Standardaussprache unsere positive Wirkung
beim Gegenüber verstärkt. Wir wirken kompetenter, souveräner und sind beruflich
vielfältiger einsetzbar.

Nun zu der letzten Frage. Bin ich dann noch ich, wenn ich
plötzlich Standard spreche?

Da ich selbst ein starker Dialektsprecher war, kann ich
dieses Dilemma gut nachvollziehen. In der ersten Phase des Umlernens fühlt man
sich wie ein Fremder. Man hat sich jahrelang mit seinem Sprechen identifiziert
und jetzt soll man plötzlich sprechen, wie die „feinen Leute“. Noch schlimmer,
als die eigene Irritation, kann die der anderen sein. Plötzlich fragen uns
unsere langjährigen Bekannten und Freunde, warum wir auf einmal so vornehm und
bedacht sprechen und was denn bei uns nicht mehr stimme. Das kann dazu führen,
dass wir uns nicht mehr authentisch fühlen und uns sagen „Das bin nicht ich,
das fühlt sich künstlich und ungewohnt an“. Aber was bedeutet denn das „ich
sein“, das „gewohnt sein“? Wir sind das, was wir jeden Tag gewohnt sind zu tun.
Wir sind eine Kette von Angewohnheiten und da wir sie jeden Tag tun, sind sie
uns vertraut. Wir identifizieren uns damit. Ist es dann nicht so, dass man
einfach ein neues Verhalten in seinen Alltag integrieren und es zur Gewohnheit
machen kann? Wir haben viel mehr Fähigkeiten als wir glauben. Neues in den
Alltag zu integrieren bedeutet lediglich etwas Stress, denn unser Organismus ist
von Natur aus sparsam. Neue Prozesse kosten erst einmal Energie und sind
unbequem. Sie sind uns aber nur so lange unbequem, bis wir sie in unseren Alltag
integriert und uns zu Eigen gemacht haben.

Wenn wir uns erfolgreiche Menschen anschauen, dann können
wir beobachten, dass diese ein Stück weit unnormal – im Sinne von besonders –
sind. Sie haben die Fähigkeit, schnell auf neue Situationen zu reagieren und
die nötigen Prozesse in Gang zu setzen, die es braucht, um weiterzuwachsen.
Vera Birkenbihl sagte sehr treffend: „Wir sind mit einem Potenzial auf die Welt
gekommen, dann gingen wir durch einen Prozess, der sich da nennt Erziehung und
dann hat man uns normal gemacht.“.

Einerseits wollen wir normal sein, wir wollen dazu gehören,
Teil einer Gruppe sein. Denn unnormal heißt auch, anders und fremd zu sein und
das macht uns Angst. Aber um erfolgreich – und ich würde sogar so weit gehen,
zu sagen: um glücklich zu sein, sollten wir den Mut haben, anders zu sein und
Dinge anders zu tun, als es die Meisten tun. Auch wenn das bedeutet, dass unser
Umfeld uns plötzlich als unnormal empfindet und uns darauf stößt, dass wir gar
nicht mehr wir sind. Im besten Fall können wir dann sagen: „Ja stimmt, ich habe
mich verbessert und entwickelt“. Denn, was bedeutet eigentlich Entwicklung? Wir
haben uns ent-wickelt – nämlich uns von unseren Fesseln, Verstrickungen und
Grenzen befreit.

Warum ist dann eine Veränderung – egal welcher Art und auch
wenn sie für uns positiv ist – so unbequem für uns und andere? – weil wir
plötzlich mit Neuem konfrontiert sind und noch keine Strategie gefunden haben
damit umzugehen. Und das stresst uns. Veränderungen sind aber notwendig um zu
wachsen. Denn ohne etwas zu verändern bleiben wir immer nur der, der wir schon
sind. Das widerstrebt unserer Natur. Schließlich will alles in unserer Umwelt
wachsen. Pflanzen werden größer, stärker, robuster. Familien wachsen. Und auch
wenn wir körperlich ausgewachsen sind heißt das nicht, dass wir nicht mental
wachsen können.

Oft gratulieren uns die Menschen zum Geburtstag mit den
Worten „Bleib so wie du bist“. Aber ist das wirklich gut? Heißt das dann nicht,
dass wir stehen bleiben und nächstes Jahr genauso weit gekommen sind wie die
Jahre davor, nämlich nicht voran? Wenn ich solche Wünsche bekomme, dann füge
ich leise für mich hinzu: „Ich hoffe nicht.“ Ich hoffe nämlich, ich weiß
nächstes Jahr mehr und habe mich weiter ent-wickelt.

Ein gewisses Maß an Anstrengung ist immer notwendig um zu
wachsen und stärker zu werden. Auch ein Küken kann nicht ohne Kraftanstrengung
aus seinem Ei schlüpfen und in die nächste Phase seines Lebens übergehen.
Genauso brauchen wir manchmal ein Stück Überwindung, Kraft und Ausdauer, bevor
wir wachsen können.

Also überlegen Sie sich das nächste Mal ganz ehrlich, wenn
in Ihnen die Frage auftaucht „Bin das wirklich ich?“ dass dieses andere,
fremde, neue Ich, was Sie mit ein wenig Mühe sein könnten, besser ist als Ihr
altes Ich. Und vielleicht lohnt sich der Stress, das neue Ich in Ihr Leben zu
integrieren.

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Umgang mit Feedback und Kritik

Umgang mit Feedback und Kritik

Ein kleiner Igel hat sich auf einer Kuhweide verirrt. Er ist
den ganzen Tag auf der Suche nach Nahrung gewesen und findet jetzt nicht mehr
zu seinem warmen Bau zurück. Nach einem schier endlosen hin und her Wandern
bleibt er schließlich erschöpft reglos liegen. Als er schon dachte, jetzt kann
es nicht mehr schlimmer werden, kommt eine Kuh und entleert sich direkt über
dem Igel, sodass er gänzlich von einem Kuhfladen bedeckt wird. Vollkommen
entkräftet schläft der Igel ein. Was er nicht weiß: In der Nacht gibt es einen
Wintereinbruch und die Temperaturen fallen in die Minusgrade. Normalerweise
würde der Igel erfrieren, aber eingehüllt in den Kuhhaufen übersteht er die
Nacht geschützt. Am nächsten Morgen hat er genug neue Kräfte gesammelt, um sich
weiter auf die Suche nach seinem Bau zu machen.

Diese vielleicht etwas naive Geschichte hörte ich einmal auf
einem Seminar zum Thema Umgang mit Kritik. Sie soll uns auf eine bildliche
Weise verdeutlichen, dass es nicht jeder schlecht mit uns meint, der uns mit
Scheiße bewirft. Im Gegenteil: Oft ist Kritik nur ein verschlüsseltes Lob, denn
der Kritisierende will etwas in bzw. an uns verändern. Er macht sich den
Aufwand, uns eine Reflexion seines Eindruckes zu vermitteln. Vielleicht kennen
Sie auch den Ausdruck – einen toten Hund tritt man nicht. Man kritisiert nur
Menschen, bei denen man Hoffnungen hat, dass sie etwas an sich verändern
können. Natürlich ist nicht immer jede Kritik gerechtfertigt und in jedem Falle
höchst subjektiv, denn kein Mensch kann beanspruchen, die Welt objektiv
wahrzunehmen.

Aber Kritik kann auch sehr wertvoll sein. Sie kann uns
wachsen lassen und im “schlechtesten” Falle dazu veranlassen, einen
neuen Weg einzuschlagen. Ich stelle bei meinen Studenten fest, dass sie
manchmal große Angst vor meiner Stimmanalyse haben. Immerhin könnte ich Ihnen
sagen, dass sie für ihren Beruf ungeeignet sind. Aber ist das nicht auch ein
großes Glück? Ist es nicht besser zu wissen, woran man ist, als am Ende des
Studiums festzustellen, dass man fünf Jahre lang einen Weg eingeschlagen hat,
für den man nicht geeignet ist? Natürlich ist dies das Horrorszenario eines
jeden Lehramtsstudenten und meistens tritt es gar nicht ein. Jedoch spüre ich,
dass viele Studenten mit Angst im Studium leben, Angst nicht alles richtig zu machen, Angst Fehler zu machen, Angst vor Feedback und Kritik.

Vor einer Woche war ich als Co-Trainerin auf einem
Führungskräfteseminar zum Thema Stimme. Der Umgang mit Kritik – oder nennen wir
es besser Feedback – hat mich unglaublich fasziniert. Ich zweifelte, ob ich als
junge Berufseinsteigerin einem Firmenchef mit 30 Jahren Berufserfahrung
sinnvoll kritisieren kann. Doch erstaunlicherweise bekam ich für jede
Rückmeldung, die ich dem Teilnehmer gab, große Dankeshymnen. Ich spürte einen
regelrechten Hunger nach Feedback. Ein Teilnehmer sagte mir dann: “Wenn
man ganz oben in der Führungsebene arbeitet, dann hat man niemanden mehr, der
sich traut ehrliches Feedback zu geben. Aber wir machen auch nicht immer alles
richtig und deswegen bin ich für jedes ehrliche Feedback unsagbar dankbar.”

Fakt ist, dass wir durch Fehler das Meiste lernen. Wenn wir
immer alles richtig machen würden, dann verlören wir unsere Aufmerksamkeit,
würden nachlässig werden. Auch unsere kreative Schöpferkraft würde nachlassen,
wenn alles tadellos liefe. Denn Not macht ja schließlich erfinderisch.

Trotzdem ist es für viele unangenehm, kritisiert zu werden.
Wie können wir also besser mit Kritik umgehen?

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig zu hinterfragen, von
wem man kritisiert wird. Oft trifft uns die Kritik von Menschen, die uns sehr
nahe stehen, oder von denen wir viel halten, am härtesten. Manchmal ist es aber
auch möglich, dass die Kritik gar nicht einem selbst gilt, sondern dass es ein
verstecktes Bedürfnis des Gegenübers ist. Das betrifft meistens Auseinandersetzungen
in der Familie oder der Partnerschaft. Dabei sollte man sich immer fragen –
Habe ich jetzt wirklich etwas falsch gemacht oder spricht da eine persönliche
Befindlichkeit meines Kritikers? In welcher Stimmung wird die Kritik geäußert.
Ist mein Kritiker vielleicht gerade nur gestresst, emotional oder beleidigt?

Schauen Sie, wie sachlich die Kritik ist. Und nehmen Sie sie
auch genauso. Es geht um die Sache, eine Eigenschaft oder Handlung – nicht um
Sie als Person. Es geht darum, etwas ins Positive zu verwandeln und Sie nicht
als Person zu verdammen.

Bedenken Sie auch stets, dass Kritik immer subjektiv ist.
Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr Gegenüber eine sehr spezielle Wahrnehmung
hat, dann holen Sie ruhig eine weitere Meinung ein.

Wichtig erscheint mir auch für sehr impulsive Menschen,
nicht sofort auf das Feedback zu reagieren. Es kann helfen, nicht direkt in die
Konfrontation zu gehen, sondern “etwas Gras über die Sache wachsen zu
lassen”. Je nachdem, wie es die Situation hergibt. Nach ein paar Tagen
kann das Ganze vermutlich gelassener gesehen und vielleicht auch das Gute an
der Rückmeldung erkannt werden.

Im Worst Case hilft oft, die Situation aus einem anderen
Blickwinkel zu betrachten bzw. sich vorzustellen, wie man in fünf Jahren über
die Kritik denkt. In meinem Falle zum Beispiel, wenn ich dem Studenten sagen
muss, dass er stimmlich ungeeignet für den Lehrerberuf ist und damit den
Studenten in eine tiefe Krise stürze. Es gibt nun für ihn verschiedene
Handlungsmöglichkeiten. Er kann meine Kritik ignorieren, verdrängen und einfach
weiter studieren. Meistens kommt dann aber der große Knall im Berufseinstieg.
Oder er versucht mit viel Arbeit seine Stimme von einem guten Logopäden oder
Stimmtrainer aufbauen zu lassen oder, die dritte Möglichkeit, er entschließt
sich noch einmal von vorn zu beginnen und einen anderen Berufsweg
einzuschlagen. Die Entscheidung liegt in seiner Hand. Fakt ist, dass er, wenn
er die Kritik ignoriert, sich immer wieder daran stoßen wird, für diese Sache
kritisiert wird und die Problematik vergrößert.

Ich selbst habe für mich festgestellt, dass jede
Bauchlandung, die ich mir geleistet hab, immer für irgendetwas gut war und mich
letztendlich vorangebracht hat, solange ich mich der Herausforderung gestellt
und mich nicht der Situation ergeben habe.

Versuchen Sie doch einmal, in jedes Training hineinzugehen
mit dem bewussten Vorsatz: Ich werde Fehler machen und das ist gut so. Ich will
ja noch besser werden und nicht stehen bleiben. Das kann ungemein entspannen.

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Stimme und Wirkung

Hatten Sie auch schon einmal so ein Erlebnis: Sie saßen in einem
Café und plötzlich kam eine unglaublich gutaussehende Frau in den
Raum. Sie dachten nur – wow, tolle Ausstrahlung. Sie hat eine super
Figur, tolle Haare und ein wunderschönes Gesicht. Eine Frau, von der
man einfach nicht die Augen lassen kann. Allein an ihrem
selbstbewussten Auftreten dachten Sie, dass diese Frau intelligent
und erfolgreich sein muss. Doch als Sie sie ansprechen – just in dem
Augenblick, wo sie den Mund aufmachte- war der ganze Zauber
schlagartig verflogen. Sie krächzte Ihnen ein unschönes „Hi“
entgegen – in einer einzigen Sekunde ist das harmonische Gesamtbild
zerplatzt. Plötzlich wirkte die schöne Optik nur noch halb so
einnehmend und beim Klang ihrer Stimme wollten Sie am liebsten das
Gespräch so schnell wie möglich beenden.

So, oder so ähnlich ist es uns allen vielleicht schon einmal
ergangen. Andersherum trifft das natürlich auch auf die Männer zu.
Vielleicht sind Sie auch schon dem ein oder anderen Mann begegnet,
der Sie mit seinem Stimmklang in die Flucht getrieben hat. Nicht
umsonst zählt die Stimme zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen.
Den meisten Menschen ist es nicht bewusst, aber die Stimme spielt
eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Partnerwahl.

Aber nicht nur im privaten Bereich ist der Stimmklang ein
Entscheidungskriterium für die Attraktivität und Sympathie des
Gegenübers, vor allem im Beruf sollte Ihre Stimme Ihre gewünschte
Außenwirkung unterstreichen. Gerade im Verkaufs- bzw.
Managementbereich trägt eine gute Stimmpräsenz maßgeblich zu einem
seriösen Auftreten und Durchsetzungsvermögen bei. Wenn sie jetzt
denken, dass Sie das nicht betrifft, weil Sie nicht in diesen
Bereichen arbeiten, dann lassen Sie es mich mit den Worten von Mike
Dierssen – einem der erfolgreichsten Verkaufstrainer in Deutschland –
sagen: „Zuerst verkauft man immer sich selbst“!

Stellen Sie sich beispielsweise einen Chef mit piepsiger Stimme
vor. Wie ernst würden Sie ihn nehmen, wenn er bei steigendem
Geräuschpegel immer höher und schriller spricht? Oder denken Sie an
einen Verkäufer, der viel zu schnell redet und nuschelt, sodass man
kaum den Inhalt verstehen kann. Immer wieder trifft man auch auf
Frauen mit einer verhauchten und kindlichen Stimme, welche irritiert
davon sind, dass sie nicht ernst genommen werden oder in ihrer
beruflichen Karriere nicht weiter aufsteigen. Ihr Fachwissen kann
noch so detailliert und umfangreich sein und ihre Führungskompetenzen
unübertroffen. Entspricht ihre Stimme nicht ihrer gewünschten
Wirkung, werden Sie es schwer haben, zu überzeugen und „sich zu
verkaufen“. Eins der berühmtesten Beispiele dafür ist wohl die
ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Zu Beginn
ihrer Karriere fiel sie vor allem durch einen schrillen und
überhöhten Stimmklang auf. Sie erkannte jedoch bald, dass die
Stimme ein wesentlicher Faktor für Autorität und Durchsetzungskraft
ist und absolvierte ein zweijähriges Stimmtraining. Ihre Stimme
senkte sich um mehrere Halbtöne und entwickelte ein warmes und
angenehmes Timbre. Die „berühmte Thatcher Stimme“, wie sie heute
auch genannt wird, unterstrich ihre Führungsrolle. Margaret Thatcher
hatte die kluge Voraussicht, ihre Stimme professionell ausbilden zu
lassen. Es ist vermutlich nicht vermessen zu sagen, dass sie sich in
der männerdominierten Politik vor allem durch ihre stimmliche
Ausdruckskraft erfolgreich durchgesetzt hat.

Am Beispiel von Margaret Thatcher zeigt sich, dass wir alle mit
einem wunderbar funktionierenden Stimmorgan geboren wurden und mit
ein wenig Übung seine natürliche Funktion wiederentdecken können.
Ein guter Klang ist demnach nicht Glückssache, sondern genauso eine
Strategie, die man sich aneignen kann, wie ein Fahrplan für ein
Verkaufsgespräch oder eine Präsentation.